Dramaturgische Feinmechanik
Eugène Scribe war der erfolgreichste Librettist des 19. Jahrhunderts. In der Theatergeschichte ist sein Einfluss allein mit demjenigen Metastasios, des Präzeptors der Opera seria im 18. Jahrhundert, zu vergleichen. Nicht nur Meyerbeers große Opern, Donizettis «Dom Sébastien» oder Verdis «Les Vêpres siciliennes» entstammen seiner Werkstatt, sondern auch – als mehr oder weniger wörtliche Übersetzungen aus dem Französischen – Donizettis «L’elisir d’amore» und Verdis «Un ballo in maschera».
Sogar Richard Wagner folgte dem Pariser Modell, als er seinen fünfaktigen «Rienzi» verfasste.
Schon zu seinen Lebzeiten spottete man über die gleichsam industriellen Fertigungsmethoden von Scribe und seinen Mitarbeitern. Und doch erheischt die eminente theatralische Wirksamkeit und der präzise kalkulierte «suspense» in seinen fast 120 Opern Respekt. Auch deshalb ist es von großem Interesse, einen Blick in seine Werkstatt zu werfen: Zu den meisten seiner Stücke hat Scribe Entwürfe und verworfene Fassungen hinterlassen. Die Forschung hat diese Manuskripte bisher nur zu einem sehr kleinen Teil ausgewertet, abgeschreckt von der extrem schwer zu entziffernden Miniaturschrift Scribes. So können die Mühen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Anselm Gerhard
JUBILARE
Martha Dewal kam 1935 im Schweizer Kanton Zürich zur Welt und studierte Gesang in Wien, wo neben Elsa Schwientek-Würtenberger u. a. auch Anton Dermota und Joseph Greindl zu ihren Lehrern zählten. Nach ersten Festengagements in Salzburg und Oldenburg wurde die Zwischenfach-Spezialistin 1974/75 Ensemblemitglied am Ulmer Theater, dem sie bis heute treu...
Im äußersten Norden der Republik stemmte man sich wieder einmal gegen den theatralen Weltuntergang: Das Schleswig-Holsteinische Landestheater, dieser seit vielen Jahrzehnten bewährte Zusammenschluss der Bühnen von Flensburg, Schleswig (als Verwaltungshauptsitz), Rendsburg und neun weiteren Bespielorten, drohte auseinanderzubrechen. Begonnen hatte das Drama im Juli...
Ein Adliger schwängert ein Bauernmädchen und lässt es dann sitzen. Drei Akte lang hofft die Verlassene auf seine Rückkehr, doch als sie Zeugin seiner Hochzeit mit einer standesgemäßen Braut wird, stürzt sie sich von einem Felsen. Gerade erst hat Regisseur Michael Sturm Stanislaw Moniuszkos 1858 uraufgeführte «Halka» am Pfalztheater Kaiserlautern vorsichtig...
