Doppelmoral

Warum man sich um Stuttgarts Opernhaus Sorgen machen muss

Opernwelt - Logo

Oper ist kein Sport. Doch gelten auch in Opernbetrieben selbstverständlich ein paar zivilisatorische Grundregeln, die denen auf einem Bolzplatz vergleichbar sind. Zum Beispiel die, dass es nach einem fetten Foul die rote Karte gibt und dass nicht zwei auf einmal Erster werden können. Eine Besonderheit, die ein Opernhaus von einem Fußballverein unterscheidet, ist die strukturelle Dichotomie der Doppelspitze, die erstens einen Intendanten und zweitens einen Generalmusikdirektor vorsieht.

Verwaltungstechnisch kann der eine dem anderen vorgesetzt sein, von der Sache her sind sie gleichberechtigt und quasi natürliche Feinde. In dieser Personalkonstellation spiegelt sich nämlich jene Dichotomie zwischen Bühne und Graben, die auch jedem halbwegs gelungenen Gesamtkunstwerk innewohnt, der Widerspruch also zwischen Zeit und Raum, Vernunft und Gefühl, Wort und Musik, Handlung und Gesang, wie ihn schon Oskar Bie als einen «Grundwiderspruch» der Gattung definiert hatte.
Kein Dirigent wird also je Gefallen daran finden, dass seine Sänger auf der Bühne herumhüpfen wie junge Zicklein, Kopfstand machen oder auch nur mal nach hinten in die Gasse singen. Kein Regisseur wird je damit zufrieden sein, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2009
Rubrik: Ärgernis des jahres, Seite 56
von Elenore Brüning

Vergriffen
Weitere Beiträge
Was bleibt von 2008/2009?

Wer hat die erfolgreichste Oper aller Zeiten geschrieben? Klar, Mozart mit der «Zauberflöte». War ja schon immer so. Auch in der aktuellen Statistik des Deutschen Bühnenvereins rangieren Pamina, Tamino & Co. wieder vorn. 40 Inszenierungen, 453 Aufführungen, 289 964 Besucher – von solchen Quoten können Mimì und Rodolfo, die Zweitplatzierten, nur träumen. Hat es zur...

«Hier willst du arbeiten»

Butterfly packt es heute einfach nicht. Dass sie erkältungshalber bei der Klavierhauptprobe keinen Ton singt, na gut. Aber dass sie auch noch alles vergessen würde, was sie in den szenischen Proben eigentlich schon ganz gut draufhatte, damit hatte keiner gerechnet. Sichtlich nervös verfolgt Jetske Mijnssen vom Regiepult in den Zuschauerreihen des Basler Theaters...

Gediegene Fantasie, lakonische Poesie

Zwei neue Opern prominenter Komponisten wurden im April 2009 innerhalb weniger Tage uraufgeführt: Wolfgang Rihms Monodrama «Proserpina» bei den Schwetzinger Festspielen und Salvatore Sciarrinos «La porta della legge» in Wuppertal. Beide legen ihren knapp eineinviertelstündigen Einaktern Stoffe aus der Weltliteratur zugrunde: Rihm einen ganz auf den inneren...