Doppelmoral

Warum man sich um Stuttgarts Opernhaus Sorgen machen muss

Oper ist kein Sport. Doch gelten auch in Opernbetrieben selbstverständlich ein paar zivilisatorische Grundregeln, die denen auf einem Bolzplatz vergleichbar sind. Zum Beispiel die, dass es nach einem fetten Foul die rote Karte gibt und dass nicht zwei auf einmal Erster werden können. Eine Besonderheit, die ein Opernhaus von einem Fußballverein unterscheidet, ist die strukturelle Dichotomie der Doppelspitze, die erstens einen Intendanten und zweitens einen Generalmusikdirektor vorsieht.

Verwaltungstechnisch kann der eine dem anderen vorgesetzt sein, von der Sache her sind sie gleichberechtigt und quasi natürliche Feinde. In dieser Personalkonstellation spiegelt sich nämlich jene Dichotomie zwischen Bühne und Graben, die auch jedem halbwegs gelungenen Gesamtkunstwerk innewohnt, der Widerspruch also zwischen Zeit und Raum, Vernunft und Gefühl, Wort und Musik, Handlung und Gesang, wie ihn schon Oskar Bie als einen «Grundwiderspruch» der Gattung definiert hatte.
Kein Dirigent wird also je Gefallen daran finden, dass seine Sänger auf der Bühne herumhüpfen wie junge Zicklein, Kopfstand machen oder auch nur mal nach hinten in die Gasse singen. Kein Regisseur wird je damit zufrieden sein, ...

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Opernwelt Jahrbuch 2009
Rubrik: Ärgernis des jahres, Seite 56
von Elenore Brüning

Vergriffen
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