Donizetti: Viva la mamma!

Coburg

Detlef Altenbeck, der streitbare Ober­spiel­leiter am Landestheater, hat diesmal alles richtig gemacht. Seine Textfassung der fast einhundertachtzig Jahre alten Opera buffa und seine ins Coburger Hier und Heute versetzte Inszenierung haben so viel Drive, Witz und Hintersinn, dass es leicht fällt, dieser Produktion Kultstatus zu prophezeien.

Das Programmheft behauptet zwar tapfer, dass die hier gezeigte Tourneetheater-Vision anno 2020 angesiedelt ist, aber natürlich wird ziemlich zeitnah ein Schreckensbild davon ge­zeichnet, was passieren kann, wenn die kulturelle Fahne in der Provinz nur noch von dilettantischen Gastspieltruppen hoch gehalten wird.
Unter uns gesagt: Das Stück ist eine ziemliche Klamotte, aber besser als im Oberfränkischen kann man es derzeit kaum realisieren. Höchstens anders. Alles wirkt wie aus einem Guss. Die Haupthandlung ver­legt Manfred Dittrich in den per Riesenfoto auf die Bühne «gespiegelten» Coburger Zuschauerraum, der antiquierten Oper in der Oper verpasst er Kulissenmalerei im Stil der vor Ort allbekannten Gebrüder Brückner. Regina Schill typisiert die Akteure detailverliebt zwischen unerträglichem Kostümschwulst und ebensolcher Alltagskleidung: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 53
von Monika Beer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wagner: Tristan und Isolde

Das gibt es nicht alle Tage: ein «Tristan», der – bildreich und spannend inszeniert – wie in einem einzigen Augenblick vorüberzuziehen scheint. Ein großartiger Erfolg am Mariinsky Theater. Regisseur und Bühnenbildner Dmitri Tcherniakov erzählt die Geschichte, als betrachteten wir einen Bergman-Film. Treffsicher umreißt er psychologische Motiva­tion, modelliert die...

Furchtbare Frauen

Die Zeiten sind vorüber, in denen Asiens große Festivals reine Import-Betriebe für Klassik aus dem Westen waren. In Singapur ist diese Tendenz derzeit besonders deutlich zu besichtigen. Stolz ausgestattete Museen feiern die eigene ­Geschichte, multimedial aufgedonnerte Ausstellungen begeben sich auf die ­Suche nach der eigenen Identität, und auch das Singapore Arts...

Oper als kultureller Brennpunkt

Monsieur Foccroulle, wenn Sie die dreizehn Jahre Ihrer Intendanz am Théâtre La Monnaie Revue passieren lassen – was war für Sie die wichtigste Erfahrung dieser Zeit?
Zweifellos die Uraufführung neuer Stü­cke. Die Entstehung eines Werks von der ersten Idee bis zur Bühnenreife zu begleiten, der Dialog mit Komponisten, Lib­rettisten und Regisseuren über etwas, das nie...