Valse triste

Wahnsinn mit Glasharmonika: Donizettis «Lucia di Lammermoor» an der Hamburgischen Staatsoper

Es las sich wie eine Verheißung: «Lucia di Lammermoor» ungekürzt, mit neu durchdachten Verzierungen; die Wahnsinnsszene nicht wie üblich als Duett zwischen Flöte und Sopran, sondern mit Glasharmonika (wie von Donizetti vorgesehen). Dazu eine Begegnung der überfälligen Art: Belcanto meets Regie. Und Ensemblegeist. Kein Bahnhof herumreisender Kehlkopfakrobaten, keine pseudo-schottisch auskostümierten Auf- und Abtritte, sondern ein Sich-Verhalten zu einer Musik, die uns – allen Ohrwurmqualitäten, allem Callas-Mythos und Gruberova-Kult zum Trotz – doch sehr fern ist.



Dass die so viel versprechende Hamburger «Lucia»-Premiere enttäuschte, lag an mehreren Faktoren, die – je länger der Abend, desto mehr – ineinander griffen. Simone Young wedelte zwar viel (mal grazil, mal feldherrenhaft) mit Oberarmen und Händen, aber sie konnte doch kaum vermitteln, was diese Musik mehr als alles andere braucht: eine geerdete rhythmische Souveränität, die erst die Basis für melodische Entfaltung und Freiheit schafft. Hamburgs Staatsopernchefin war pausenlos um Kontrolle bemüht, genauer: um schlichte, musikalische Kongruenz zwischen Orchester und Bühne, und sie musste das sein, weil sich kaum ein Tempo und ...

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Opernwelt März 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Stephan Mösch

Vergriffen