Donizetti: Lucia di Lammermoor

Bonn

Opernwelt - Logo

Der Schnee hätte fast alles verdorben. Die Darstellerin der neuen Bonner «Lucia»-Produktion schien sich eine Erkältung eingefangen zu haben, so dass ihr Mitwirken an den Proben zunehmend be­einträchtigt wurde. Dann aber erkannte man, dass kein Virus, sondern eine allergische Reaktion auf den üppig auf der Bühne ausgestreuten Kunstschnee ihre Gesundheit beeinträchtigt hatte. Das Geflocke wurde ausgetauscht, und so kam die Isländerin Sigrún Pálmadóttir, bereits seit 2001 Mitglied des Bonner Ensembles, doch noch zu ihrem Rollendebüt.


Welch ein Einstand! Sie sang diese Lucia mit einer in jeder Hinsicht ausgefeilten Prägnanz, mit großer Musikalität und absoluter technischer Souveränität. Pálmadóttir besitzt kein Trompeten-­Organ; bei ihr liegt kein Metall auf den Stimmbändern, vielmehr besitzt sie eine teilweise ins Lyrische reichende, dabei stets zu raschen dynamischen Intensivierungen fähige Stimme. Die Spitzentöne trifft sie sicher, ihre Koloraturen formt sie mit proseccohafter Agilität. Ein wenig erinnert ihr Vortrag an die Gruberova, etwa wenn sie mit scheinbar minimalem Atemaufwand Töne klar zu formen versteht und dabei die Höhepunkte mit plötzlichen Decrescendi anreichert.
Einzige ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 60
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Editorial

Die «Ring»-Produktion, die Patrice Chéreau und Pierre Boulez den Bayreuther Festspielen zum hundertsten Jubiläum bescherten, ging als Geniestreich in die Geschichte des modernen Musiktheaters ein. Von den Schildern «Verflucht sei dieser ‹Ring›», die 1976  rund ums Festspielhaus getragen wurden, bis zu den eineinhalb Stunden Abschiedsapplaus im Sommer 1980 war es...

Erschwerte Bedingungen: Oper in Buenos Aires

Das Problem ist auch in Europa wohlbekannt: Wird ein großes Opernhaus zum Sanierungsfall und vorübergehend dichtgemacht, müssen Ausweichstätten her, die eine Fortführung des Spielbetriebs erlauben. Nun hat dieses Schicksal auch eines der größten Häuser der Welt ereilt: das Teatro Colón in Buenos Aires. Zwar konnten lange überfällige Modernisierungen bei laufendem...

Zwei Ansichten

Trabuco sitzt vorn und schält Möhren für seinen Esel. Hinter ihm läuft das Volk auf und ab, hat Schutz gesucht vor dem Regen. Es ist eine böse Zeit. Krieg im Land.
Dietrich Hilsdorf hat erneut eine Verdi-Oper fürs Essener Aalto-Theater in­szeniert. «La forza del destino» bildet die siebte von insgesamt elf Produktionen. Doch Hilsdorf spielt, seit einiger Zeit schon,...