Dokumente einer Allianz
Mit dieser etwas lieblos edierten, aber sehr preiswerten Kassette zum 50. Geburtstag des Großen Festspielhauses in Salzburg demonstriert die Deutsche Grammophon nachdrücklich, dass sie im letzten halben Jahrhundert die heimliche Intendanz der Festspiele innehatte. Alle ihre berühmten Vertragskünstler sind hier regelmäßig aufgetreten und marschieren bei dieser Gelegenheit nochmals auf – Karajan, Bernstein, Böhm, Abbado, Levine, Boulez, Mutter, Brendel, Argerich und andere. Die Kassette enthält auf 25 CDs fünf Opern, zehn Konzerte und zwei Recitals.
Vieles wird hier zum zweiten oder gar dritten Mal vermarktet, bei einigen Mitschnitten handelt es sich um «First releases», allerdings meist mit einem Repertoire, das die betreffenden Künstler schon anderweitig eingespielt hatten. Die «Traviata» mit Anna Netrebko und Rolando Villazón (2005) musste eigentlich nicht schon wieder sein, Janáceks «Aus einem Totenhaus» unter Abbado und Grüber (1992) liegt bereits auf DVD vor und ist in der visuellen Version vorzuziehen.
Den einleitenden «Rosenkavalier», mit dem das neue Haus am 26. Juli 1960 unter Herbert von Karajans Leitung eingeweiht wurde, gab es schon inoffiziell bei verschiedenen Labels. ...
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Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Medien | CDs und DVDs, Seite 40
von Ekkehard Pluta
Wenn Leute, die gerade mal die 40er-Stufe auf der Altersleiter überklettert haben, eine Biografie veröffentlichen oder veröffentlichen lassen, ist das immer heikel. Die ersten Lebensbücher über Anna Netrebko waren so nährstoffreich wie ein labbriger Schokoriegel; um einiges besser geriet das erste Buch über Rolando Villazón, nun ist also Kaufmann an der Reihe....
Franco Leonis nachveristischer Einakter «L’oracolo», der 1905 in London seine Uraufführung erlebte, hatte durch den Einsatz des Baritons Antonio Scotti zunächst einen Langzeiterfolg an der New Yorker Met, verschwand nach dessen Bühnenabschied aber für Jahrzehnte in der Versenkung. Auch eine verdienstvolle Schallplattenproduktion der Decca (1975) unter Richard...
Zwischen dem Bastille-Sturm und dem Ende der Napoleonischen Kriege watete Europa in Blut. Kein Wunder, dass auf den Bühnen die Geister der Toten zurückkehrten und schuldbeladene Gewissen in Angst-Psychosen trieben. Rossinis 14. Oper, «Sigismondo», Ende 1814 entstanden und nun zur Eröffnung des 31. Rossini-Opera-Festivals in Pesaro erst zum zweiten Mal nach 1827...
