Diversität oder: Was bleibt von 2015/16

Die Bilanz der Spielzeit im Urteil von 50 Kritikern

Über den Typus des Künstlerintendanten wird wieder heiß diskutiert. Obwohl man ihm, bei Licht besehen, heute eher selten begegnet – zumal im Musiktheaterbetrieb. Das Modell des allgewaltigen Patriarchen, der nicht nur den Laden schmeißt, sondern auch auf der Bühne (oder im Orchestergraben) die Zügel führt, hat ohnehin ausgedient. Ausnahmen bestätigen die Regel. Doch es gibt sie nach wie vor, die Sehnsucht nach charismatischen Leitfiguren, die den Diskurs, den Kurs, die Identität eines ganzen Hauses gleichsam als pater communitatis formen.

Nach Theater-Alphatieren wie Walter Felsenstein oder Götz Friedrich, Claus Peymann oder Frank Castorf. Die heftigen Proteste ­gegen das von der Berliner Kulturverwaltung verfügte Ende von Castorfs 25-jähriger postdramatischer Mission an der Volksbühne haben viel mit dieser Sehnsucht zu tun. In dem seit Monaten schwelenden Streit um seinen von der Tate Modern in London ab­geworbenen designierten Nachfolger Chris Dercon geht es nicht zuletzt um Macht: Wer wird künftig das Sagen haben, Künstler oder Kurator? Das ist nicht nur an Berlins Volksbühne die Frage.

Zum kleinen Kreis der Künstlerintendanten gehört auch ein Mann, der sich nie um die Leitung ...

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