DISKUSSIONSWÜRDIG
Alle reden vom Krieg – in der Oper meist nur im Foyer oder bei Benefizaktionen für die Ukraine. Wenn sich aber ein Stück so weit aufs historisch-psychologische Terrain des bewaffneten Konflikts und des königstreuen Patriotismus vorwagt wie Giacomo Meyerbeers «Ein Feldlager in Schlesien» (Untertitel: «Singspiel in drei Akten in Lebensbildern aus der Zeit Friedrichs des Großen»), dann muss sich ein städtisches Opernhaus klar positionieren.
Man tut es in Bonn, indem man einen Abschnitt aus einer Rede Wolodymyr Selenskyjs vom ersten Kriegstag in der Ukraine projiziert, in dem der Präsident den kulturellen Brückenschlag zwischen den Nationen beschwört. Darüber hinaus erfindet der Regisseur Jakob Peters-Messer einen «Chronisten» (sachlich gespielt von Michael Ihnow), der im schwarzen Rolli durch die Szene läuft, Videokameras aufs Geschehen richtet und Briefpassagen aus der Entstehungszeit des Werks oder schockierende Kriegsberichte aus den Schlesischen Kriegen zwischen Preußen und Österreich zitiert – eine nicht ganz frische Idee, die aber eine gewisse Distanz zur Handlung schafft.
Das ist auch bitter notwendig, denn selten erlebt man in der Oper eine derart verstörende Mischung aus ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Michael Struck-Schloen
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