Diseusenkunst
Keine Illusionen mehr zu haben und dabei weder zu verzagen noch zynisch zu werden; das Schlechte nicht cool zu finden und das Gute nicht lächerlich zu machen; von der Welt und den Menschen nicht viel zu erwarten, aber trotzdem den Anstand zu wahren – das ist Kunst. Und es war im Besonderen die Kunst des musikalischen Kabaretts im Berlin der Weimarer Republik, die Kunst von Mischa Spoliansky, Kurt Tucholsky, Rudolf Nelson und Friedrich Hollaender. Sie ist, wie ihre Umgebungskultur, heute längst ein Teil des Stadtmarketings in Berlin geworden.
«Schon wieder gold’ne Zwanziger – geht’s nicht noch ’n bisschen ranziger?», würde Hollaender heute dichten, wenn er sähe, was in den Souvenirshops und Kleinkunstetablissements verramscht wird.
Nun hat sich auch die Schauspielerin Dagmar Manzel gemeinsam mit dem Pianisten Michael Abramovich und dem Orchester der Komischen Oper Berlin an Hollaenders Lieder aus dem Kabarett «Schall & Rauch», Tonfilmen der 30er- bis 40er-Jahre und der Revue «Futschikato» von 1961 gewagt und damit an der Komischen Oper ihrem Publikum einen Abend beschert, der alle Bedenken im Nu entkräftete. Manzel kann diese Lieder singen, ohne sich bei den berühmten ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Jan Brachmann
Er sei nicht interessiert daran, Märchen zu erzählen, hatte Carlos Wagner vorab gesagt. Und schon beim Auftritt des blütenweißen Strahleritters Lohengrin – im Gegenlicht, gezogen von einem in Ketten gelegten Gottfried – zeigt sich, was er mit «Märchen» meint: Verblendung, die nicht als solche erkannt wird. Carlos Wagner versucht der Geschichte vom Heilsbringer am...
Es war eine anmutige, traditionelle «Werther»-Deutung, die der französische Schauspieler und Regisseur Paul-Émile Deiber 1971 an der Met für seine spätere Frau Christa Ludwig und für Franco Corelli in der Titelpartie in Szene gesetzt hatte. Richard Eyres Neuinszenierung von Massenets Vierakter könnte man neokonservativ nennen: Visuell angereichert mit Naturmotiven...
Giulio Caccinis «L’Euridice» entstammt jenen Tagen, als die Oper noch in den Kinderschuhen steckte, ja nicht einmal ihren Namen gefunden hatte. Die Florentiner Camerata, ein Zirkel aus Künstlern und Gelehrten, verfolgte Ende des 16. Jahrhunderts das Ziel, Musik und Dichtung in einem szenischen Gesamtkunstwerk zu vereinen und so das Theater der Antike...
