Diese spielerische Ambivalenz der Gefühle

Ihre Karriere verlief nicht «bilderbuchmäßig». Dennoch ging es für Cornelia Ptassek kontinuierlich in eine Richtung: nach oben. Mit der Violetta, die sie in Achim Freyers Mannheimer «Traviata» singt, hat sie endgültig ihr enormes Potenzial bewiesen.

Frau Ptassek, Sie haben im Dezember 2007 in Mannheim erstmals die Violetta in Verdis «La traviata» gesungen, eine der ganz großen Rollen des romantischen ­Sopranrepertoires. Wie fühlt man sich bei einem solchen Debüt?
Die Violetta zu singen war immer mein Traum. Nun ist er in Erfüllung gegangen, und ich bin sehr glücklich darüber. Das war ein großer Schritt in meinem Leben. Die Rolle ist natürlich so komplex, dass die Arbeit daran sicher nie aufhört. Ich entdecke bei jeder Vorstellung neue Facetten der Partie.

Die He­rausforderung ist neben der stimmlichen auch eine stark emotionale, weil mich – und ich denke, da wird es jeder Sängerin, die die Violetta singt, ähnlich gehen – die großen Themen dieser Oper, die ja Utopien oder Idealvorstellungen von Liebe, Verzeihen und Verzicht sind, tief bewegen. An einem Theaterabend durchmisst man die größten Gefühle dieser Welt. Nach einer Vorstellung bin ich selbst manchmal so aufgewühlt, dass ich lange nicht schlafen kann. Verdis Musik ist wunderbar, weil sie eine Einheit bildet, obwohl sie in jedem Akt sehr verschiedene Anforderungen an die Stimme stellt.

Wie haben Sie sich musikalisch vorbereitet?
Erst einmal habe ich den Klavierauszug ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2008
Rubrik: Interview II, Seite 68
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Spiegelbild der Eitelkeiten

Auch in seinem neuesten, vierzehnten Werk für das Musiktheater ist Giselher Klebe dem Genre der Litera­tur­oper treu geblieben. Anders als in allen vorausgegangenen Werken fiel die Wahl des jetzt 82-Jährigen, der seit 1957 als Kompositionsprofessor in Detmold lebt, jedoch erstmals auf einen heiteren Stoff, Nikolaj Gogols 1836 uraufgeführte Komödie «Der Revisor»,...

Sanfte Magie

Er ist ein Dirigent, der die Oper nie zu einer Lebensform oder zum Lebensinhalt gemacht hat. Und das, obwohl er im Schatten des Mailänder Teatro alla Scala aufwuchs. Als Siebenjähriger besuchte Claudio Abbado den Operntempel zum ersten Mal, erlebte dort später Victor de Sabata, Toscanini, die junge Callas. Und doch war für ihn, den Sohn eines Geigers und...

Alter Meister

Die Unterwelt des Bewusstseins, ihr rätselhaft Abgründiges und Monströses, hat Harrison Birtwistle schon immer fasziniert. Zumal in den Bühnenwerken findet die Vorliebe des 73-jährigen Doyens der britischen Komponistenszene beredten Ausdruck. Gleich der (vor vier Jahrzehnten in Aldeburgh uraufgeführte) Erstling steckte ein Terrain ab, das auf der Nachtseite der...