Diese enorme Emotion

Ihr Name führt in die Irre. Joyce DiDonato ist nicht die wunder­liche Verbindung aus literarischer Avantgarde und Mafia, sondern eine echte Kansas-Lady. Seit einigen Jahren beglückt die amerikanische Mezzosopranistin auch Europas Opernbühnen insbesondere mit Händel, Rossini, Mozart und Strauss. Mit Jürgen Otten sprach sie über ihre Liebe zur historischen Aufführungspraxis, Kastratenschicksale und ihr Faible für das Traurig-Trübe in der Welt.

Mrs. DiDonato, dürfen wir Ihnen ein Kompliment machen?
Gern. Welches denn?

Sie haben ein großes und für den Opernbetrieb nachgerade erstaunliches Talent als Schauspielerin. Haben Sie heimlich geübt?
Nein. Auch wenn Sie es nicht glauben. Spielen war für mich immer natürlicher als Singen, schon an der Highschool. Ich dachte nie darüber nach, was ich wie tun musste. Ich spielte einfach. Und noch heute denke ich nicht über die Technik des Spielens nach. Anders verhielt es sich lange mit dem Singen. Zwar war die Musik für mich stets natürlich.

Doch der Akt des Singens war es nicht. Das musste ich lernen. Jetzt fühlt es sich natürlich an.

Gleichwohl hat man das Gefühl, Sie stünden bei dem, was Sie da oben tun, unter Strom. Ist es, weil das Singen so aufregend ist oder weil das Schauspielerische Sie vielleicht doch sehr anstrengt?
Ich kriege einfach einen ungeheuren Adrena­lin­schub, wenn ich auf der Bühne stehe. Und ich bin wirklich bewegt, wenn ich merke, dass die Leute im Publikum von dem, was ich mache, berührt werden. Ich denke dann, die Menschen, die im Dunkeln sitzen, wollen da­ran teilnehmen, sie wollen Teil der Reise sein. Und das macht es für mich leichter, ein grö­ßeres Risiko ...

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Opernwelt November 2008
Rubrik: Interview, Seite 20
von Jürgen Otten

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