Chauvinist!

Marginalien zu Aufführungen von Mozarts «Zauberflöte» in Graz und an der Wiener Staatsoper

Minderwertigkeitskomplexe hat er nicht: Als der Kongress seinen Vorschlägen zustimmt, dankt er «im Namen der Menschheit». Seinen Mitarbeitern gegenüber gibt er sich als toleranter Chef. Doch seine Anordnungen setzt er mit brutaler Härte durch, Zuwiderhandelnden drohen drakonische Strafen.

Wer ist es? Obama? Nein, denn Frauen kommen bei ihm für Führungsaufgaben nicht in Betracht. Und Trägern anderer Hautfarben gegenüber scheint er deutliche Vorbehalte zu haben.

Wer dann? Ein Erfolgspolitiker aus den Südstaaten oder aus der Innerschweiz?

Der Mann, von dem hier die Rede ist, entwickelte sein Persönlichkeitsbild erstmals am 30. September 1791 vor einem breiteren Publikum. Und obwohl einer seiner Mitarbeiter erklärt, er bewundere an seinem Vorgesetzten unter anderem die «weisheitsvollen Reden», hat die Nachwelt doch ­einige Zweifel an der Integrität dieses Charakters angemeldet. Zweifellos würden Frauen seine an junge Mädchen gerichtete Mahnung, «ein Mann muss eure Herzen leiten, denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus seinem Wirkungskreis zu schreiten», sarkastisch mit «Chauvi» apostrophieren. Und seine disqualifizierenden Bemerkungen über einen Farbigen, seine Seele sei ebenso schwarz wie ...

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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Gerhard Persché