Die Stimme aus Wagners Grab

Es gibt viele Jobs am Theater, die dem Publikum verborgen bleiben. Das Soufflieren gehört dazu: Im Idealfall bekommt es niemand mit. Deshalb weiß auch niemand, wie es geht. Wir haben nachgefragt. Bei Ute Gherasim, Souffleuse an der Deutschen Oper am Rhein und bei den Bayreuther Festspielen

Wie sind Sie Souffleuse geworden? Eine Ausbildung gibt es ja nicht.
Ich habe Theaterwissenschaft studiert und anschließend als Dramaturgin am Musiktheater gearbeitet. Doch dann kamen meine Töchter zur Welt – vor 31 und 27 Jahren –, und als ich wieder einsteigen wollte, gab es keine freie Stelle. Aber in Wuppertal wurde eine Souffleuse gesucht. Hauptsache wieder Theater, dachte ich. Da ergibt sich schon was! Und dann stellte sich das als anspruchsvoller, erfüllender Beruf heraus.



Was muss man mitbringen, um diesen Job richtig gut zu machen?
Notenverständnis – und eine Riesenportion Empathie. Ich muss Unsicherheiten erspüren und Sicherheit geben, so unauffällig wie möglich, so präsent wie nötig sein. Mein Prinzip: Vorbeugen ist besser als Reparieren! Wenn jemand einen Hänger hat, ist es ja eigentlich schon zu spät.

Wann greifen Sie ein?
Eine ständige, lautlose Begleitung gibt es immer. Und das heißt zunächst: hundertprozentige Aufmerksamkeit. Die Sänger spüren das, es gibt ihnen Sicherheit. Ob ich tatsächlich reinspreche, ist situationsabhängig. Wenn jemand gar nicht zu mir schaut, mische ich mich nicht ein. Schickt mir ­jemand mit den Augen einen Hilferuf, gibt’s das volle Programm. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Tröten und Schnattern

Sie haben es wieder getan. Kammermusiktheater gemacht, im Weißraum zwischen Konzert und Oper, Sprechen und Gesang, Scherz, Satire und tieferer Bedeutung. Lustvoll flanieren die Neuen Vocalsolisten Stuttgart durch die entgrenzten Klangkunstlandschaften der Gegenwart. Immer auf der Suche nach unbekannten Lautgewächsen. Nach nie gehörten Tonblüten. Wann immer das...

Spinnweben in den Celli

Als luxuriöses Dekor der Intimität setzt Erich Wolfgang Korngold das Orchester in seiner Oper «Die tote Stadt» ein. Der sagenhafte Erfolg dieses Stücks, das schon ein Jahr nach seiner deutschen Uraufführung – am 4. Dezember 1920 – an der Met in New York herauskam, liegt vor allem darin, den Ersten Weltkrieg nicht als Bruch mit der opulenten Lyrik des deutschen Fin...

Feigenmus und Spiele

Fridericus Rex. Das verklärte Bild des alten Fritz spukt sofort im Kopf herum, wenn von Sultan Qabus ibn Said Al-Said die Rede ist. Der Große, der Weise, der Musenfreund. Ohne seine Majestät läuft nichts im Oman. Wie weiland bei den Preußen. Ein Herrscher, der per Dekret regiert, aus dem Hintergrund, der splendid isolation seiner Residenzen. Wie seinerzeit der...