Die Sache mit Gott

Ingo Metzmacher und Peter Konwitschny nehmen in Hamburg «Moses und Aron» beim Wort

Opernwelt - Logo

in Mann wie Schönbergs Moses hat es heute doppelt schwer. Nicht nur, weil es ihm, der Gottes Stimme vernommen zu haben glaubt, immer dann die Sprache verschlägt, wenn er die Botschaften des Allmächtigen unters Volk bringen will. Und auch nicht allein, weil diese Sprachnot aus der Überzeugung resultiert, dass absolute, himmlische Wahrheiten ihre Unschuld verlieren, sobald sie in Worte gefasst werden. Das Hauptproblem des Mannes Moses besteht zu Beginn des 21.

Jahrhunderts in der Schwierigkeit, angesichts einer – zumindest im westlichen Abendland – gründlich säkularisierten Lebenswelt überhaupt noch bei irgendjemandem Interesse an der ­Sache mit Gott zu wecken.  
Diese – an sich kaum spektakuläre – Erkenntnis ist der Ausgangspunkt der szenischen Annäherung, die Peter Konwitschny auf der Bühne der Hamburger Staatsoper an jenes eher oratorisch ­gefasste als dramatisch schäumende Opern-«Endspiel» (Hans Mayer) versucht, das Schönberg unter dem Eindruck des deutsch-österreichischen Antisemitismus der zwanziger Jahre konzipierte und zwischen 1930 und 1933, gleichsam auf dem Weg ins Exil, in Arbeit hatte – ohne es je vollenden zu können. Was, so lautet Konwitschnys Kernfrage, könnte uns ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Belcanto im Stadttheater

Lucrezia hat keine Chance: Blutschande mit Vater und Brüdern, der Gifttod, den ihre Hand so gern und oft gereicht haben soll – sie ist gerichtet von zahllosen Geschichtsschreibern. Und wenn auch aus Historikersicht wohl an all dem nichts dran ist, so lebt das Ungeheuer Lucrezia Borgia doch fort in unseren Köpfen, kolportiert auch von Victor Hugos Schauspiel und...

Schenkt man sich Rosen im Serail

Die Legende vom Kreuzritter Ernst von Gleichen, der aus siebenjähriger Kriegsgefangenschaft eine orientalische Prinzessin in die thüringische Heimat mitbrachte und daselbst mit Einwilligung seiner ersten Frau sowie des Papstes eine angeblich harmonische Ehe zu dritt geführt haben soll, beschäftigt die Literatur seit Jahrhunderten. Goethe ­zitiert sie in der...

Der doppelte Meister

Gerade einmal elf Jahre sind verstrichen, seit das Gran Teatre del Liceu in Barce­lona, neben der seit 1882 in Bau befindlichen Kathedrale «La Sagrada Familia», das Heiligtum der katalanischen Kulturnation, bis auf die Grundmauern niederbrannte. Doch schon vor der Jahrtausendwende, am 7. Oktober 1999, konnte das Haus an den Ramblas seine Pforten wieder öffnen – im...