Die Neinsagerin

Die Wiener Sopranistin Silvana Dussmann über die Mechanismen des Sängermarktes, Erfahrungen im Opernchor und die Kunst, einer stimmlichen Entwicklung zu folgen.

Dank ihrer Vielseitigkeit hat Silvana Dussmann in den letzten Jahren gern Fuchs und Hase mit der Opernszene gespielt: Kaum war sie überregional in ­einem Fach aufgefallen, präsentierte sie sich an einem anderen Haus in einer Partie, die ganz und gar nicht dazu pass­te. Rosalinde und Norma, Chrysothemis und Verdis «Maskenball»: Zwanzig Jahre nach ihrem Debüt kann die Wiener Sopranistin jetzt die Ernte einer langsamen Entwicklung einfahren.


Wenn eine Sängerin den – nicht nach Lungenvolumen, sondern Bühnenjahren  gemessenen – langen Atem hat, ihre Kar­riere klug und nachhaltig aufzubauen, gibt es manchmal einen ganz speziellen Abend, der sie plötzlich in den Fokus der internationalen Opernszene hebt. Bei Silvana Dussmann war das zweifellos die «Frau ohne Schatten» in der Saison 2002/03 an der Oper Frankfurt. Eine Strauss-Premiere unter Sebas­tian Weigle. Ein Abend für Stimmen-Scouts wie auch für Kritiker. Und natürlich etwas ganz anderes als die Repertoireaufführungen von «Norma», die Silvana Dussmann in Berlin bestritt, oder ihre spektakuläre Leistung im «Roberto Devereux» an der Wiener Staatsoper.
Hinter den musikalischen Werdegang möchte man beim ersten Hinsehen beinahe ein Häkchen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Porträt, Seite 68
von Claus Ambrosius

Vergriffen
Weitere Beiträge
Korngold: Die tote Stadt

Drei wichtige Aufführungen von Korngolds «Toter Stadt» in jüngerer Zeit: Zü­rich 2003, Berlin 2004, Salzburg, ebenfalls 2004. Man kann das als Repertoire-Bestätigung für eine Oper werten, die nach ihrer als sensationell empfundenen Doppeluraufführung (1920) von neuer Sachlichkeit lange in die Ecke gedrückt wurde. Die bis heute kritisierte Holly­wood-Karriere des...

Modellcharakter

Es ist eine Schlüsselidee des «Don Giovanni»: Die d-moll-Schläge des steinernen Gas­tes tauchen im Stück erst spät auf, aber sie er­öffnen die Ouvertüre. Kraft und Magie des Übernatürlichen bilden ein akustisches Portal zu allem, was folgt. Mozart ist dafür, schon im 19. Jahrhundert, viel gerühmt worden. Nur: Die Idee stammt von Salieri. Die Ouvertüre zu dessen...

Wolkenkuckucksheim

In seiner Klage über das Fehlen von komischen Opern sagt Peter Cornelius, die Deutschen hätten zwar ihre Tragiker gehabt, aber ein Aristophanes sei noch nicht da gewesen. Es ist zweifelhaft, ob Walter Braunfels rund fünfzig Jahre später das auch von Friedrich Nietzsche herbeigesehnte aristophanische Gelächter im Sinn hatte, ob er also mit seiner Vertonung der...