Die Natürlichkeit des Artifiziellen
Dass Mozarts Königin der Nacht als Angelegenheit für Spezialistinnen gilt, hat die Partie auch in Verruf gebracht. Denn zum einen können Koloratursopranistinnen allzu leicht darauf festgelegt werden, zum anderen passt oft das chinesische Märchenbild der mechanischen Nachtigall: koloraturgewandt, doch ohne Eigenpersönlichkeit. Diana Damrau ist längst zur Ehrenrettung der Figur angetreten, verleiht ihr Fleisch und Blut.
Die beiden Szenen seien punktuell und kurz, es müsse der Moment wie durch ein Brennglas eingefangen werden, aber es gebe noch immer genug Bandbreite bei den Emotionen, meint sie. Den vermeintlichen Bruch sieht sie aus der Perspektive der Psychoanalyse. Es sei der «Schatten» im Sinne C. G. Jungs, den sie in der zweiten Arie bediene, den Mr. Hyde des Doktor Jekyll. So lässt sie die beiden Arien der Königin zu Höhepunkten ihres Debüt-Recitals bei Virgin Classics werden. Die erste Szene, das üble Spiel der Königin mit den naiven Gefühlen Taminos, kostet sie differenziert aus. Fulminant die zweite Arie, eine Explosion dämonischer Energie. Zumal sie in Jérémie Rhorer, dem Gründer und Leiter des Ensembles «Le Cercle de l’Harmonie», einen Dirigenten zur Seite hat, der sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dass die amerikanische Regisseurin Mary Zimmerman vor ihrem Debüt an der Met noch nie eine Oper inszeniert hatte, spricht nicht unbedingt gegen sie. Ob ihre bisherige Arbeit mit Schauspielern oder ein siebter Sinn fürs Theater sie auch für das Musiktheater befähigt, steht auf einem anderen Blatt. Nach «Lucia di Lammermoor» muss man sagen: Sie ist diesen Ansprüchen...
Bei Jake Heggie zeichnet sich eine neue Wertschätzung alter Tonalitätstugenden durch junge Komponisten ab. Orchestrale Sprachfähigkeit geht in seiner Oper «Dead Man Walking» einher mit betont kantablem Ausdruck. Leichter Hollywood-Sound hier und da mag von der Kenntnis des Tim-Robbins-Films herrühren. Hagen präsentierte die zweite deutsche Inszenierung nach der...
Eine ziemlich degenerierte Gesellschaft sind sie schon, diese Götter: Wotan, der ständig abwiegelnde smarte Schwächling; Fricka, sein moralinsaures Eheweib; Donner, der aufbrausende Hohlkopf; Froh, der eitle Fant. Anthony Pilavachi arbeitet, zum Teil in zusätzlich eingefügten stummen Begegnungen, mit seinen Darstellern scharfe Charakterporträts heraus und führt sie...
