Die Natürlichkeit des Artifiziellen

Diana Damraus Debüt-Recitals bei Virgin Classics

Opernwelt - Logo

Dass Mozarts Königin der Nacht als Angelegenheit für Spezialistinnen gilt, hat die Partie auch in Verruf gebracht. Denn zum einen können Koloratursopranistinnen allzu leicht darauf festgelegt werden, zum anderen ­passt oft das chinesische Märchenbild der mechanischen Nachtigall: koloraturgewandt, doch ohne Eigenpersönlichkeit. Diana Damrau ist längst zur Ehrenrettung der Figur angetreten, verleiht ihr Fleisch und Blut.

Die beiden Szenen seien punktuell und kurz, es müsse der Moment wie durch ein Brennglas eingefangen werden, aber es gebe noch immer genug Bandbreite bei den Emotionen, meint sie. Den vermeintlichen Bruch sieht sie aus der Perspektive der Psychoanalyse. Es sei der «Schatten» im Sinne C. G. Jungs, den sie in der zweiten Arie bediene, den Mr. Hyde des Doktor Jekyll. So lässt sie die beiden ­Arien der Königin zu Höhepunkten ihres ­Debüt-Recitals bei Virgin Classics werden. Die erste Szene, das üble Spiel der Königin mit den naiven Gefühlen Taminos, kostet sie differenziert aus. Fulminant die zweite Arie, eine Explosion dämonischer Energie. Zumal sie in Jérémie Rhorer, dem Gründer und Leiter des Ensembles «Le Cercle de l’Harmonie», einen Dirigenten zur Seite hat, der sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2007
Rubrik: CDs, Seite 51
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Für Jäger und Sammler

Paul McCreesh gab anlässlich seiner Einspielung von «Paride ed Elena» jüngst der Hoffnung Ausdruck, Gluck möge in zehn Jahren so beliebt sein wie Händel heute. Tatsächlich erlebt der Opernreformator auf Bühnen, Symposien und CD wieder einmal ein Hoch in seiner höchst wechselhaften Konjunkturkurve. Da passt es zum Trend, dass sich Ale­xander Stoehr und die Neue...

Italienische Moderne in Thüringen

Die fünfte Spielzeit, die das Theater Erfurt in seinem hochmodernen Opernquader eröffnete, soll eine «ita­lienische» werden. Das klingt nicht sprühend originell. Die erste Inszenierung der Saison war dann aber doch eine Überraschung. In einer Doppelvorstellung sind zwei Einakter des italienischen Komponisten Flavio Testi zu erleben. Das damit verbundene Wagnis ist...

Puccini: Turandot

Die Sklavin Liú hat sich geopfert, der Vorhang geht zu. Das Finale der Oper «Turandot» hat Puccini nicht mehr komponiert, der Krebs war schneller. Ping, Pang und Pong, die drei Minister aus Turandots Reich diskutieren am Orches­tergraben. Auf Italienisch mit Übertiteln. Soll jetzt Schluss sein? Oder einer der Schlüsse gespielt werden, die Franco Alfano und Luciano...