«Die lustige Witwe» wird hundert
Herbert Wernicke hätte es wohl gefallen, dass sein Basler Bühnenbild für den ersten Teil von Händels «Israel in Egypt», das letzte, das er vor seinem Tod im Frühjahr 2002 noch entwerfen konnte, in der Jubiläums-Inszenierung der «Lustigen Witwe» in Hannover konserviert und produktiv weiterentwickelt wird.
Mit dem Zuschauerraum des Bayreuther Festspielhauses auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters, den er für seinen ebenfalls unvollendet gebliebenen «Ring» (nur «Das Rheingold» konnte er noch fertigstellen) entwarf, hatte er in ähnlicher Weise zitierend gearbeitet wie Tilo Steffens nun mit der klassizistischen, von weißgoldenen Säulen getragenen Rotunde: Wenn Hanna Glawari ihr melancholisches «Vilja-Lied» im Anschluss an den ersten Akt ganz allein auf der Bühne singt, während der Chor nur aus dem Off antwortet, hebt sich die Decke magisch und gibt den Blick frei auf einen Sternenhimmel. Nach der Pause findet die Garten-Grill-Party der Glawari hinter der nun umgedrehten und als negatives Abbild goldglänzenden Rotunde statt – ein surrrealistisches Bild, das mit der modernen Festgesellschaft auf einfachen Stühlen wunderbar kontrastiert. Denn statt der elegant schimmernden ...
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