Die Kirsche auf der Torte
Nishni Nowgorod liegt am Zusammenfluss von Oka und Wolga. Im 19. Jahrhundert nannte man sie sogar «die dritte Hauptstadt Russlands». Vor kurzem feierte die Millionenmetropole ihr 800-jähriges Jubiläum, und aus diesem Anlass wurde vieles restauriert. Weniger freundlich behandelte man seitens der politischen Elite bislang die Oper. Nun jedoch hat der neue Bürgermeister Juri Schalabajew den erfolgreichen Manager Alexej Trifonow als Operndirektor eingesetzt und Dmitri Sinkovsky, einen Musiker von internationalem Format, zum Generalmusikdirektor bestimmt.
Die zweite Premiere auf der großen Bühne (nach einer vom Bolschoi-Theater übernommenen «Pique Dame») war Bizets «Carmen». Regie führte Elisaweta Moros, die acht Jahre lang als Regieassistentin am Bolschoi arbeitete und an anderen Theatern einige kleine Projekte realisieren konnte. «Carmen» ist ihre erste große Arbeit. Moros gelingt es, eine vielschichtige Aufführung auf die Bühne zu bringen, in deren Zentrum die clever agierende, in ein schwarzes Samtkleid gehüllte «Regisseurin» Carmen steht. In der Habanera küsst sie inbrünstig den Bühnenspiegel und drückt den Vorhang an sich – als wären ihr beide Dinge die teuersten auf der Welt. ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Alexej Parin
JUBILARE
Aus dem oberfränkischen Rehau stammt der dort am 15. April 1953 geborene Klaus Angermann. Er studierte Musikwissenschaft an der Freien Universität Berlin sowie an der Philipps-Universität Marburg und schließlich bei Helga de la Motte-Haber an der Technischen Universität Berlin. Von 1985 bis 1990 beschritt er zunächst auch eine Laufbahn als Sänger und trat...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Tränen gelacht zuletzt bei Tobias Kratzers «Götterdämmerung», als eine Norn und später Waltraute als meine Doppelgängerinnen auftraten.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Ich würde kein neues Haus bauen, vielmehr schauen, wie man die vielen, die es schon gibt, für die Zukunft erhalten und verändern kann. Wie kann man...
Eine verschleierte Frau auf die Bühne zu bringen, birgt gewisse Gefahren. Das Motiv ist derzeit stark konnotiert, der Vorwurf der Islamophobie liegt allzu nahe. Zwar lässt sich die «verhüllte» Königin der Nacht noch unter altägyptischem Mummenschanz verstecken, den es freimaurerisch zu entrümpeln gilt, auch Salomes sieben Schleier sind als erotisches Accessoire...
