Die Kirsche auf der Torte
Nishni Nowgorod liegt am Zusammenfluss von Oka und Wolga. Im 19. Jahrhundert nannte man sie sogar «die dritte Hauptstadt Russlands». Vor kurzem feierte die Millionenmetropole ihr 800-jähriges Jubiläum, und aus diesem Anlass wurde vieles restauriert. Weniger freundlich behandelte man seitens der politischen Elite bislang die Oper. Nun jedoch hat der neue Bürgermeister Juri Schalabajew den erfolgreichen Manager Alexej Trifonow als Operndirektor eingesetzt und Dmitri Sinkovsky, einen Musiker von internationalem Format, zum Generalmusikdirektor bestimmt.
Die zweite Premiere auf der großen Bühne (nach einer vom Bolschoi-Theater übernommenen «Pique Dame») war Bizets «Carmen». Regie führte Elisaweta Moros, die acht Jahre lang als Regieassistentin am Bolschoi arbeitete und an anderen Theatern einige kleine Projekte realisieren konnte. «Carmen» ist ihre erste große Arbeit. Moros gelingt es, eine vielschichtige Aufführung auf die Bühne zu bringen, in deren Zentrum die clever agierende, in ein schwarzes Samtkleid gehüllte «Regisseurin» Carmen steht. In der Habanera küsst sie inbrünstig den Bühnenspiegel und drückt den Vorhang an sich – als wären ihr beide Dinge die teuersten auf der Welt. ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Alexej Parin
1917, auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs und in den Straßen der vernarbten Städte sterben seit Jahren völlig sinnlos Millionen von Menschen, schreibt Walter Hasenclever ein bitterbös-gnadenloses Gedicht: «Die Mörder sitzen in der Oper!» Und kaum gewaltiger könnte der Unterschied zwischen den Sphären sein, die der Dichter in scharfschneidende,...
Zwei Wochen nachdem Peter Konwitschny in Linz Verdis wegen ihrer angeblich krausen Handlung eher selten gespielte Oper «La forza del destino» auf bare 90 Minuten skelettiert hatte (OW 3/2023), präsentierte Lorenzo Fioroni in Saarbrücken das Melodramma in erschlagender Vollständigkeit. Gespielt wurde die Mailänder Zweitfassung aus dem Jahr 1869. Es war ein langer,...
Francis Poulencs vierzigminütiger Monolog «La voix humaine» ist eine Tour de force für eine Sopranistin. Auf der Szene dieser 1959 an der Pariser Opéra-Comique uraufgeführten dritten und letzten Oper des großen französischen Lyrikers steht nur eine einzige Person, eine namenlose, «Elle» («Sie») genannte junge Frau. Ihr Geliebter hat sie verlassen. In einem...
