Die Kirsche auf der Torte
Nishni Nowgorod liegt am Zusammenfluss von Oka und Wolga. Im 19. Jahrhundert nannte man sie sogar «die dritte Hauptstadt Russlands». Vor kurzem feierte die Millionenmetropole ihr 800-jähriges Jubiläum, und aus diesem Anlass wurde vieles restauriert. Weniger freundlich behandelte man seitens der politischen Elite bislang die Oper. Nun jedoch hat der neue Bürgermeister Juri Schalabajew den erfolgreichen Manager Alexej Trifonow als Operndirektor eingesetzt und Dmitri Sinkovsky, einen Musiker von internationalem Format, zum Generalmusikdirektor bestimmt.
Die zweite Premiere auf der großen Bühne (nach einer vom Bolschoi-Theater übernommenen «Pique Dame») war Bizets «Carmen». Regie führte Elisaweta Moros, die acht Jahre lang als Regieassistentin am Bolschoi arbeitete und an anderen Theatern einige kleine Projekte realisieren konnte. «Carmen» ist ihre erste große Arbeit. Moros gelingt es, eine vielschichtige Aufführung auf die Bühne zu bringen, in deren Zentrum die clever agierende, in ein schwarzes Samtkleid gehüllte «Regisseurin» Carmen steht. In der Habanera küsst sie inbrünstig den Bühnenspiegel und drückt den Vorhang an sich – als wären ihr beide Dinge die teuersten auf der Welt. ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Alexej Parin
Eine verschleierte Frau auf die Bühne zu bringen, birgt gewisse Gefahren. Das Motiv ist derzeit stark konnotiert, der Vorwurf der Islamophobie liegt allzu nahe. Zwar lässt sich die «verhüllte» Königin der Nacht noch unter altägyptischem Mummenschanz verstecken, den es freimaurerisch zu entrümpeln gilt, auch Salomes sieben Schleier sind als erotisches Accessoire...
Als zuletzt 2004 am Nürnberger Staatstheater «Die Großherzogin von Gerolstein» gespielt wurde, kam es zum Skandal. Im Zentrum standen seinerzeit der übergroße Phallus des Generals Bumm und eine Rakete, die unter US-amerikanischer Flagge durchs letzte Bild flog. Die USA hatten im Jahr zuvor den Irak überfallen, unter dem Vorwand, das Land besitze...
Ein Königreich für eine Wampe, pardon, für ein Embonpoint? Nicht in Nürnberg. Claudio Otellis Falstaff ist zwar kein James Dean und auch kein Casanova – ein Fettwanst aber ebensowenig. Seine Baritonstimme gleicht der Figur. Leicht füllig ist sie, dabei durchaus gelenkig, weder überbordend noch schwammig, eher stabil, gutsitzend in Mittellage wie Tiefe und...
