Die Intention des Autors sichtbar machen

Regisseur Peter Stein über seinen Umgang mit Henzes «Bassariden», über Regisseure als ­verkappte Autoren und die unvereinbaren Pole im Menschen

Herr Stein, Sie haben vor zehn Jahren in Amsterdam «Moses und Aron» von Arnold Schönberg inszeniert. Nun sind Sie für eine neue Produktion von Hans Werner Henzes «The Bassarids» an De Nederlandse Opera zurückgekehrt. Beide Werke verhandeln fundamentale philosophische Gegensätze. Haben Sie eine Vorliebe für solche Konfrontationen?
Theater handelt immer von Gegensätzen. Nur Musicals enthalten keine Gegensätze, aber auch die kommen nur voran, wenn es wenigstens ein paar kleine Pseudo-Konflikte gibt. Sonst hätte man ja gar nichts Vernünftiges zu singen.

Seit der antiken Tragödie ist der ­unlösbare Konflikt, in dem sich immer mindestens zwei Kräfte gegenüberstehen, das zentrale Thema des Theaters. Meist treffen auf der Bühne zwei unterschiedliche Positionen aufeinander – Liebe und Nicht-Liebe, Leben und Tod, Intellekt und Gefühl, Rationalität und Irrationalität, was auch immer. Alles im Theater lässt sich auf diese Grundkonstellation beziehen. Im Fall von «Moses und Aron» finden wir auf der einen Seite Projekte, die scheinbar nur mit Strenge, Disziplin, Askese zu verwirklichen sind: die Gründung eines neuen Staates, eine neue Art zu leben, eine völlig neue Musik zu schreiben; am Ende ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Willem Bruls

Vergriffen
Weitere Beiträge
Pogrom im Fischerdorf

«Peter Grimes», denkt man bei sich, das ist die unumgängliche Realismus-Pusselei der Bootspflege, des Netzeflickens, der morgendlichen Verrichtungen am Meer. Ja, meint man weiter, es muss in Benjamin Brittens Oper nach Salzwasser, nach Fisch riechen. Mag sein, dass es das in Zürich am Rande auch tat. Auf Robert ­Israels zweistöckiger Bühne war allerdings wenig vom...

Sonnenglanz und Gewölk

Daniel Harding hat mit großem Glanz zur Eröffnung am 7. ­Dezember nicht nur Mozarts «Idomeneo», sondern den Auftakt einer neuen Ära dirigiert. Zum ersten Mal seit vielen Jahren stand nicht Riccardo Muti am Pult des Mai­länder Teatro alla Scala, dessen Chefdirigent er neunzehn Jahre lang bis zu seinem Rücktritt am 3. April 2005 war. Zum ers­ten Mal konnte der neue...

Radikale Seelenschau

Gilda ist tot, der Vater – Rigoletto – in Schmerz erstarrt, das Publikum tief ergriffen, doch auf die Basler Opernbühne kehrt allzu schnell die Realität wieder zurück: 3,5 Millionen Franken soll das Dreispartenhaus ab der kommenden Spielzeit unter seinem neuen Intendanten Georges Delnon jährlich einsparen; eine Summe, die das Theater substan­ziell gefährden würde,...