Die Hölle hat immer die bessere Musik
Wer Mozart lieblich, gefällig, verspielt, anmutig, gar hübsch fände, den sollte der Lortzing holen, schrieb der legendäre Wiener Publizist Hans Weigel bereits vor vierzig Jahren. Zwar tat er damit dem Komponisten der «Regina» Unrecht, doch dürfte dieser Satz bei Nikolaus Harnoncourt schon damals ein grimmiges Lächeln hervorgerufen haben. Denn der Dirigent wehrte sich stets leidenschaftlich gegen das «Mozart-Glück», die interpretatorische Wellness.
Mozart sei rätselhaft, ja unheimlich, und das von allem Anfang an: Dieser Meister, so korrigiert Harnoncourt den Volksmund, ist durchaus vom Himmel gefallen.
«Mozart war niemals elf, zumindest nicht als Mozart», sagt er mit Blick auf dessen Bühnenerstling, das Geistliche Singspiel «Die Schuldigkeit des ersten Gebots» KV 35 aus dem Jahr 1767, das er nun beim «Osterklang» im Theater an der Wien präsentierte. Die von Fürsterzbischof Sigismund Graf Schrattenbach kommissionierte und vom späteren Salzburger Bürgermeister Ignaz Anton Weiser getextete Geschichte schildert den Kampf von strengem Ernst und närrischem Leichtsinn um eine arme Jedermann-Seele. Mozart zeichnete für den neunzigminütigen ersten der «dreyen Teile» (verschollen sind die ...
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