Die Haarnadelmörderin

Freiburg, Puccini: Tosca

Der Mord an Scarpia ist entdeckt. Seine Häscher bahnen sich einen Weg durch den Leichenberg dort, wo die Plattform der Engelsburg anzunehmen ist. Oberspitzel Spoletta jagt der Mörderin Tosca eine Kugel in den Kopf. Ein Geistlicher samt Ministrant zerrt die Leblose zu den übrigen Opfern der – offenbar südamerikanischen – Militärdiktatur. Die Rolle einer willfährigen Kirche ist damit zugleich umrissen. Das war's denn aber auch schon mit dem Brandmarken des politischen Umfelds. Vielleicht noch Scarpias Ende.

Die Frage, woher Tosca auf Anna Björnsens  – bis auf Cavaradossis Malutensilien – völlig requisitenfreier Bühne wohl die Mordwaffe kriegt, löst sich auf, indem sie eine Haarnadel aus ihrem silbernen Kopfputz nestelt und zusticht, immer wieder – und dann weg mit dem erotisch aufgeladenen bigotten Scheusal: Entsorgung in einer Bodenklappe.

Egal, ob Chile oder Rumänien: «Tosca» zog aus dem Rom von 1800 in die Anfangssiebziger des vorigen Jahrhunderts um. Jarg Pataki inszenierte schnörkellos und spannungstark, ohne seine beeindruckenden Freiburger Herrichtungen von Ibsen/Griegs «Peer Gynt» oder Puccinis «Butterfly» zu erreichen. Manche Positionen und Konstellationen bleiben schlicht, ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Heinz W. Koch

Vergriffen
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