Die Erde hat ihn wieder
Was immer auf der Wartburg vorgefallen ist: Tannhäuser macht erst mal die Schotten dicht. Sein Rückzug, so die Interpretation von Rosamund Gilmore, lässt sich als Ausflucht eines Künstlers deuten, der auf seine Weise die eigene Schaffenskrise zu bewältigen sucht. Folglich richtet Carl Friedrich Oberle dem renitenten Minnesänger auf der Bühne des Staatstheaters Nürnberg eine kleine Komponierstube ein, die innere Emigration ermöglicht – wären da nicht die Versuchungen, die ihn in der selbstgewählten Einsamkeit immer wieder abhalten von der Arbeit.
Und arbeiten will der Mann um jeden Preis, schließlich ist er der Welt noch einen «Tannhäuser» schuldig. Das Notenpult längst aufgestellt. Der «Richard Wagner»-Flügel aus dem Hause Ibach steht allerdings kopf, und Frau Venus reibt sich an ihm, als könnte sie den Geliebten damit rühren. Doch der hat anderes im Sinn. Während er auf den Chor der Pilger wie auf eine innere Stimme hört, stellt sich mit Mariens Hilfe (oder ist es vielleicht die Heilige Cecilia?) sein künstlerischer Normalzustand wieder ein. Das Instrument kippt in die Horizontale, die Fleisch gewordenen «rosigen Düfte» verschwinden. Wie durch ein Wunder öffnet sich der ...
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Der Anfang kündet schon vom Ende. Noch während der Ouvertüre zu «Roméo et Juliette» (von Evan Christ und dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus in üppigen, regenwolkenschweren Klangfarben auf die imaginäre Leinwand gepinselt) hebt sich der Vorhang und gibt den Blick frei auf eine Beerdigungsszene. Die Familiengruft der Capulets. Es tritt hinein...
Sowohl Claus Guth (in Hamburg) als auch Anselm Weber (in Essen) standen vor dem nahezu unlösbaren Problem, etwas Eigenes zum Thema «Siegfried» zu (er)finden. Mit Hilfe ihrer Bühnen- und Kostümbildner dekorierten sie das Ganze einfach um, wobei die «neuen» Schaufenster nicht viel anders ausschauten als viele alte zuvor. Claus Guth wollte die Geschichte wohl als eine...
Das Moskauer Bolschoi Theater gilt westlichen Besuchern als Opernmuseum schlechthin, und es hat sich bis vor Kurzem auch selbst so definiert. Ein schönes Beispiel bietet die Inszenierung des «Eugen Onegin» von 1944, die mehr als sechs Jahrzehnte auf dem Spielplan des Hauses stand und im Jahr 2000 von dem unlängst verstorbenen Regisseur Boris Pokrovsky noch einmal...
