Die Böhmen in Brandenburg

Brandenburg, Smetana: Die verkaufte Braut

Vierzig Zugminuten vom Bahnhof Zoo entfernt liegt die Stadt, die dem Berliner Umland den Namen gab. Obwohl mitten «in der Pampa», geschieht in Brandenburg an der Havel musikalisch eine ganze Menge: Der charismatisch-arbeitswütige Generalmusikdirektor Michael Helmrath würde «die Provinz» wohl nie als Entschuldigung für mangelhafte Qualität akzeptieren. So hat der von Celibidache entdeckte Dirigent seine Brandenburger Symphoniker zu einem Konzertorchester geformt, das selbst hohen Ansprüchen genügt.

Und wenigstens eine eigene Opernproduktion pro Spielzeit vermag das Theater zu stemmen; diesmal sogar ein personalinten­sives Werk: Smetanas «Verkaufte Braut» in einer außergewöhnlichen Inszenierung von Kay Kuntze.
Der ließ sich von der Chuzpe des Librettisten Karel Sabina inspirieren: Routiniert hatte dieser für Smetana (nach dem gemeinsamen Erstling «Die Brandenburger in Böhmen») ein Singspiel gezimmert, um seine eigene Dichtung hinterher als unsorgfältig abzuqualifizieren. Wohl wahr. Denn warum verkuhhandelt Jeník (in Kurt Honolkas praktikabler Übersetzung: Hans) seine Erwählte an Kecal, ohne sie ins Vertrauen zu ziehen? Und warum ist nach dem erheblichen Beziehungsknatsch innerhalb ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Olaf Wilhelmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wenn das Licht klingt

Eine verwegene These? Die Berliner Philharmoniker sind kein gutes Opernorchester – weil sie ein zu gutes sind. Wenn den Musikern und Simon Rattle eine so hellsichtige, geistsprühende Interpretation gelingt wie bei den diesjährigen Salzburger Osterfestspielen, sprengen sie das Gesamtkunstwerk Oper. Was da bei Benjamin Brittens «Peter Grimes» an elektrisierender...

Blick zurück nach vorn

Die so genannte «Literaturoper» hat bekanntlich nicht den bes­ten Ruf. Zwar bleibt der Bedeutungsumfang des viel gebrauchten Begriffs meist im Ungefähren: Taucht das Phänomen der Adap­tion etablierter literarischer Sujets erst mit Debussys «Pelléas et Mélisande» und Strauss’ «Salome» auf oder fallen, um nur ein früheres Beispiel zu nennen, schon Verdis «frei»...

Puccini: Manon Lescaut

Als «ewiges» Thema ist die Geschichte von einem zwischen Liebes- und Luxussehnsucht hin- und hergerissenen Mäd­chen aus reichem Hause und einem armen Studenten nicht à tout prix an ihre Entstehungszeit, das 18. Jahrhundert, gebunden. Ausstatter Dieter Richter verzichtet in Essen auf historisierende Bebilderung. Er und Regisseur Roman Hovenbitzer finden ohne...