Die alten, bösen und zarten Lieder
Der Dichter singt, singt in höchsten und in tiefsten Tönen, wort- wie bildmächtig, am Rande des Erlaubten und in einem Rhythmus, der per se alle Bedenken, sollten sie überhaupt bestehen, vom Tische fegt.
«O seiden Härelein! O Rosen Wängelein! Corallen Lippelein! O Perlen Zänelein! O Honig Züngelein! O Perlemutter Oehrelein! O helffenbeinen Hälßelein! O Pomerantzen Brüstelein!» So steht es geschrieben in dem Liebesgedicht «O Sternen Äugelein» des Komponisten und Liedtexters Johann Hermann Schein, doch die Klänge, die wir dazu hören, haben mit dem Zeitalter, in dem diese blümeranten Verse geschmiedet wurden, wenig gemeinsam. Rabiat sind sie, rustikal, rau und rasant.
Bereits 2022 feierte Gordon Kampes Songzyklus «O Seufzen, Heulen, Herzensknall» für zwei Stimmen und Ensemble in Hamburg seine Uraufführung. Beim Ultraschall Festival Berlin, dessen selbsternannter Auftrag es stets war, Wiederaufführungen zeitgenössischer Werke zu ermöglichen, erklang nun im Radialsystem die revidierte und erweiterte Version, mit einem anderen Anfang und mit einem anderen (unversöhnlichen) Ende, in einer fulminant-furiosen Darbietung durch das von Lutz Rademacher geleitete RADAR Ensemble. Und diese ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Jürgen Otten
Mein Bild ist meine Bühne», sagte der Maler William Hogarth einmal über sich selbst. Sprach’s und setzte es in Kunst um: Zwischen 1733 und 1735 widmete er acht gesellschaftskritische Gemälde und Stiche «A Rake’s Progress», dem Werdegang eines Wüstlings – und inspirierte gut 200 Jahre später Igor Strawinsky und seine Librettisten zu einer fast gleichnamigen Oper...
Benjamin Brittens grandioser Opernerstling «Peter Grimes» gehört zu den wenigen Werken des modernen Musiktheaters, die Eingang ins Repertoire auch kleinerer Bühnen gefunden haben. Dabei stellt das Stück um den tragischen Outcast, der von den bigotten Bewohnern eines englischen Fischerdorfs in den Tod getrieben wird, allein schon aufgrund des groß -besetzten...
Betritt man den Zuschauerraum des Grand Théâtre de Genève, ist die Musik schon da. Kojack Kossakamvwe, begnadeter Gitarrist aus dem Kongo, sitzt vor dem Eisernen, ganz im Eck, und flicht seine schier unendlichen Girlanden voller Funk und zersplitternder Melodien. Schon ist man dort, wo dieser Abend angesiedelt ist – in Afrika, genauer: im Kongo. Passend dazu die...
