Des Rätsels Ende

An der Wiener Staatsoper findet Claus Guth faszinierende Bilder für Puccinis «Turandot», Asmik Grigorian gelingt in der heiklen Titelpartie ein überwältigendes Debüt

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Was hat man nicht alles versucht für den Schluss von Puccinis letzter, unvollendeter Oper, in berechtigter Unzufriedenheit über das ruppig kurze Schlussduett von Franco Alfano? Ihn neu komponieren zu lassen von Luciano Berio, dessen stilistische Gratwanderung (2002) auch nicht recht befriedigen wollte; ihn, was in jüngerer Zeit häufiger probiert wurde, ganz wegzulassen, so dass «Turandot» buchstäblich kein Ende findet – und die titelgebende chinesische Prinzessin keinen Frieden mit dem um sie werbenden Tatarenprinzen Calaf.

Dabei liegt die (Standard-)Lösung bereits auf der Hand: einfach die Langversion zu spielen, die Franco Alfano komponierte (bevor er sie auf Befehl des Verlags Ricordi zusammenstrich und der selbstherrliche Arturo Toscanini sie vor der Uraufführung noch weiter verstümmelte). Sie bietet nicht nur den vollständigen, psychologisch schlüssigen Librettotext von Giuseppe Adami und Renato Simoni, sondern gibt Turandot und Calaf, was beide in dieser Situation am dringendsten brauchen: Zeit. Zeit, füreinander durchschaubar zu werden, einander zu erkennen, und das durchaus mit biblischem Nebensinn. Nichts aber bleibt hier von jenem rüden Machismo, mit dem er ihren ...

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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 6
von Michael Stallknecht

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