Der Wille zur Macht
Es ist nicht leicht, ein Zar zu sein. Vor allem dann nicht, wenn das eigene Volk in einem ziemlich heruntergekommenen Betonschacht mit Kronleuchter lebt. Das mit nahezu identischen blonden Scheitelfrisuren ausgestattete Kollektiv, vom neuen Chordirektor des Nationaltheaters Mannheim, Alistair Lilley, hervorragend einstudiert, lässt sich leicht manipulieren und erfleht Boris Godunow als gottgesegneten Herrscher förmlich herbei.
Wie eine zu groß geratene Schar infantiler Wesen hockt die Menschenkinderschar mit baumelnden Beinen auf den Seitenbänken und blättert in Bilderbüchern der gloriosen Vergangenheit. Letztlich ist «Boris Godunow» eine Oper dieses Kollektivs – wenngleich der Kom -ponist sein Werk noch nicht als «musikalisches Volksdrama» bezeichnet hat; das sollte er erst bei der späteren «Chowanschtschina» tun. Hier, im Pfalzbau Ludwigshafen, wird die infantile Masse unterdrückt, um am Ende in weißen, blutbespritzten Kitteln zu einer visionslosen Revolution anzutreten, deren Gewalt der puren Verzweiflung entspringt. Der herbeigesehnte Zar wird als riesiges Gesicht noch vor den ersten Takten der einleitenden Fagott-Linie als Vorhang-Projektion sichtbar. In seinen dunklen ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Bernd Künzig
Ein Märchen ist ein Märchen. In diesem besonderen Fall zwar eines für Erwachsene, aber doch für solche, die im Innersten Kinder geblieben sind. Wo in der Fabel für die echten Kleinen die Prinzessin und der Prinz sich suchen und nach einigen Prüfungen dann auch finden, sind es hier die Kaiserin und der Kaiser, die als namenlose Idealgestalten traumverloren über die...
Es ist schon faszinierend, wie vernehmlich Fafner klingt, wenn er mal nicht in der Ecke liegt und pennt. In vorsichtigen, zugleich markanten Sekundschritten wandelt er übers düstere b-Moll-Feld des «Siegfried»-Vorspiels, leise grummelnd und doch klar bei Sinnen, überaus präsent und der Situation gewärtig, die 90 Minuten später todbringend aus dem Ruder laufen wird....
DEUTSCHLAND
Aachen Theater Aachen
www.theateraachen.de
- Bizet, Carmen: 1., 3., 14.
- nach Bizet von Molavian, Dittrich, Schwencke, Ich bin Carmen und das ist kein Liebeslied: 7. (P), 9.
ML: Schwencke, I: Dittrich, B: Dederichs
- Rossini, Il viaggio a Reims: 24., 31.
Altenburg/Gera Theater Altenburg Gera
www.tpthueringen.de
- nach Strauss, Die wahre Fledermaus:...
