Der Widerspenstigen Zähmung

Zweimal «Alcina»: Tatjana Gürbaca und Stefan Gottfried zeigen Händels Heroine im Theater an der Wien als große Einsame, Nikolaus Habjan verleiht ihr in Bern das Charisma einer Puppen-Diva

In seinen 1981 erschienenen «Versuchen über die Oper» widmete Hans Mayer, mit Blick auf Mozarts «Così», einige Absätze auch jenem Roman, der weiland zu den meistdiskutierten zählte: Wilhelm Heinses «Ardinghello und die glücklichen Inseln» von 1787 bildete, als deutsches Gegenstück zu Choderlos de Laclos’ fünf Jahre zuvor publizierten «Liaisons dangereures», die fiktionale Folie für des Schriftstellers innig gehegte Überzeugung, der Mensch (seiner Zeit) sei ein edles Raubtier.

Die Französische Revolution sollte ihm recht geben – allerdings weniger, was den Edelmut, als vielmehr, was die Gefräßigkeit betraf.

Ein ganzes, in Dekadenz darnieder sinkendes Zeitalter, so Mayer, sähe sich im «Ardinghello» abgebildet, derart demonstrativ kontrastierten die maßlosen, triebhaften  und -bewussten Figuren des Romans zur «edlen Einfalt und stillen Größe angeblicher Antike». Und  nicht allein die männlichen Gestalten. «Auch Fiordimona, Fulvia oder jene Lucinde, deren Namen sich  Friedrich Schlegel für einen eigenen eudämonistischen Roman aneignen sollte, leben nach dem Gesetz des Eudämonismus, der den Genuss preist und auf Kraft, Geistesstärke, physischer Schönheit zu gründen sucht.»

Und so ...

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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten

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