Der Widerspenstigen Lähmung

Die einleuchtende Grundidee in Dresden bestand in einem zweitei­ligen Unternehmen, das praktische Anschauung mit theoretischer Erörterung vereinte und aufeinander bezog: einerseits allabendlich vorgeführte Operetten auf der Bühne, andererseits beredete Operetten auf einer Tagung, die erkunden sollte, was aus dieser Gattung unter der NS-Herrschaft wurde. Ergiebiger als der theoretische erwies sich der praktische Teil des Unternehmens.

Schon die Auswahl der vier Werke, durchweg im laufenden Repertoire des Hauses, ermunterte zu Überlegungen darüber, wie und wo der obengesteuerte Theaterbetrieb der nazistischen Kunstpolitik zugegriffen hat.
Vorgeführt wurden: Johann Strauß’ fast vergessener «Karneval in Rom» (1873; in der neu herausgegebenen erweiterten Urfassung), ein Beispiel der nazistischerseits anerkannten «klassischen» Wiener Operette, dazumal verschrieben als Anti­dotum gegen die verpönte französische Operette à la Offenbach; Lehárs «Lustige Witwe» (1905), der man auf den arisierten Bühnen stillschweigend den jüdischen Librettisten Leon hinwegoperierte; sowie zwei damals restlos ausgemerzte Stü­cke von bislang erfolgreichen jü­dischen Komponisten aus der Spätzeit der Gattung ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2005
Rubrik: Thema, Seite 32
von Volker Klotz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bellini: Norma

Bellinis «Norma» steht und fällt mit den beiden Frauenstimmen. Ob die beiden jungen russischen Sängerinnen Mlada Khudoley (Norma) und Ekaterina Gubanova (Adalgisa) sich in Partien, die geradezu als Inbegriff des Bellini’schen Belcanto gelten, die hochgesteckten Erwartungen erfüllen konnten? Und wie sie es taten! Insbesondere Khudoley überrascht mit ihrem breiten...

Deutscher Belcanto im Wien des Fin de Siècle

In den zehn Jahren seiner Tätigkeit als Direktor der Wiener Hofoper (1897-1907) hat Gustav Mahler dreiundsechzig Opern in etwa sechshundertfünfzig Vorstellungen dirigiert, daneben auch die Funktionen des Regisseurs und Geschäftsführers innegehabt und – gegen den Wiener Intrigantenstadl und eine anwachsende antisemitische Stimmung in Stadt und Land – die Szene und...

Kalauer - arios eingefasst

H(einz) K(arl) Gruber, der arrivierteste Unterhaltungskünstler unter Österreichs Komponisten, mit einer Oper nach einem Text von H. C. Artmann, dem Sprachvirtuosen par excellence – eigentlich eine exquisite Konstellation! Grubers Komponieren entzieht sich der Einordnung. Anleihen beim Jazz, Chansons oder avantgardis­tische Geräuscheskapaden, mal in simpler Melodik,...