Der Unermüdliche
Natürlich konnte dies kein Interview werden. Weil Kirill Petrenko es bekanntlich ablehnt, sich dem Duett mit einer Journalistin oder einem Journalisten auszusetzen. Dabei folgt er gar nicht dem Diktum Wolfgang Rihms, Musik sei «überhaupt nicht besprechbar». Rihm selbst verstößt ja ständig und wortgewaltig gegen dieses selbst erklärte Naturgesetz, und auch ein Dialog mit Petrenko ist möglich. Manchmal nur, einige Jahre ist das her, nach einer wie beiläufig fallengelassenen Frage, welche «Tannhäuser»-Fassung, welche Striche er bevorzuge.
Da nimmt er nach der offiziellen Pressekonferenz den Faden nochmals auf, um alles im Zwiegespräch zu erläutern und selbst Rückfragen zu stellen. Ganz offen läuft so etwas ab, charmant, humorvoll. Vielleicht weil es nicht um Petrenko selbst geht, sondern um seine Heimat: «Es klingt vielleicht etwas pathetisch», sagte er in einem online dokumentierten Gespräch mit Alexander Bader, dem Klarinettisten der Berliner Philharmoniker: «Aber ich fühle mich in der Musik zu Hause. Eine geografische Heimat zu nennen, das ist schwierig.»
Also derzeit Lebensmittelpunkt Berlin. Und Lebensabschnittsensemble Philharmoniker. Schon wieder hat es Kirill Petrenko in der ...
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Opernwelt Jahrbuch 2022
Rubrik: Dirigent des Jahres, Seite 36
von Markus Thiel
Opernwelt
63. JAHRGANG, JAHRBUCH 2022
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690 | Best.-Nr. 752966
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Justus Kamp | redak...
Eine streng geregelte Kindheit habe er gehabt, sagte Georg Kreisler einmal. Diese Kindheit begann am 18. Juli 1922 in Wien und nicht am 25. Dezember, wie die jenes in «Für was bist du gekommen?» (1966) besungenen Kindes, das alle möglichen Wünsche von seiner (jüdischen) Familie unter die Babyachsel zahlreicher potentieller schlechter Gewissenszustände geklemmt...
Die Musik, so hat es, überaus sinnfällig, Claude Debussy einmal notiert, sei für das «nicht Auszudrückende» geschaffen, also im Kern für das, was man mit Worten kaum oder gar nicht mehr sagen könne. Diese Sentenz war dem Moralphilosophen und Musikologen Vladimir Jankélévitch ein tieferes und ausgiebigeres Nachdenken wert, mit dem Ergebnis, dass er ein Buch schrieb,...
