Der stylishe Entrümpler
Blaue Lichtprospekte. Scherenschnitthafte Figuren. Dazu ein autistisches Beharren auf sich selbst. Wer hätte gedacht, dass bei einer solch asketischen Diät der Mittel, wie sie Robert Wilson an den Tag legt, eine so lange Karriere überhaupt möglich ist?
Viel ist anfangs gelästert worden über die «blöde-kunstgewerblichen Bildchen», über ein «Theater der Sinnlosigkeit, ohne eigene Struktur» (Peter Iden), das sich seit «Einstein on the Beach» (Avignon, 1976) einnistete in den Reiseplänen von Theaterintendanten und Kritikern.
Selbst beleuchtungsästhetisch, so hat der Lichtdesigner Manfred Voss gesagt, seien die Arbeiten des 1941 in Waco/Texas geborenen Robert Wilson eigentlich nicht sonderlich interessant: ein einfacher, bunt hinterlegter Prospekt, vor dem einige Personen angestrahlt werden. Na und?
Anfangs behalf man sich damit, die Schupo-Choreografie seiner Figuren damit zu erklären, dass der kleine Bob eine kindliche Sprachbehinderung mit Hilfe der amerikanischen Tänzerin Byrd Hoffman überwunden hatte. (Nach ihr benannte er 1968 seine damalige Theatertruppe.) Alle Psychologie, alle Expressivität und aller Konflikt wurde in eine reduktive Bewegungsdramaturgie gepresst. Wobei für Sänger ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Jubilare II, Seite 85
von Kai Luehrs-Kaiser
Herr Reuter, bei Ihnen könnte sogar ein kleines Kind erraten, dass Sie Sänger sind. Sie haben die klassische Opernsänger-Sprechstimme
Ich weiß (lacht). Ich habe in Wirklichkeit keine Sprechstimme, sondern spreche mit meiner Opernstimme. Es hat sich irgendwie so entwickelt. Die Sache ist nur die: Ich versuche auch umgekehrt, mit meiner Sprechstimme zu singen. Ich...
Schon unter der Direktion von Stéphane Lissner, aber auch seit dem Amtsantritt Bernard Foccroulles (2007) fungiert das Festival von Aix-en-Provence als Gegengewicht zu dem, was heute gemeinhin unter «kritischem» Musiktheater verstanden wird. Es sind weniger starke Ideen oder Konzepte, auch nicht thematische Leitlinien, die den Geist von Aix prägen, sondern – wohl...
Franz Liszt kam von einer Luxemburg-Reise nach Bayreuth, mitten in der Festspielzeit. Über seine Besuche der Vorstellungen von «Parsifal» am 23. Juli 1886 und «Tristan» am 25. Juli divergieren die Meinungen. Während Oliver Hilmes diese Besuche nur erwähnt, stellt Michael Stegemann sie in einen Kontext. Liszt-Tochter Cosima, verwitwete Wagner, soll gesagt haben: «Es...
