Der schwere Verdi

Freiburg | Verdi: Rigoletto

Da kneift man sich diesen ganzen Freiburger «Rigoletto» hindurch: Eine Bühne, die es mit Ligeti, Kagel und Penderecki, mit dem Strauss der «Elektra», jüngst einem hochrespektablen «Lohengrin»und zum wiederholten Mal dem kompletten «Ring»aufnimmt – diese Bühne erlebt beim mittleren Verdi ein Problem nach dem anderen. Vor allem staunt man, wie schwer diese scheinbaren Selbstverständlichkeiten in Wahrheit doch zu singen sind.

Man hat zwar einen höhensicheren, eher lyrischen und mit mancher schönen Phrase aufwartenden Herzog (Mario Sofroniou), und man besetzt die Räubergeschwister markant (Jin Seok Lee und Sally Wilson). Aber man hat eine distanzierte Gilda, die mit etwas unpersönlichem Timbre unterwegs zu ihrer Aufgabe ist (Aleksandra Zamojska), oft zu tief ansetzt und kühl lässt, namentlich jedoch eines nicht beherzigt: wenn schon gewagte Höhen-Extras, dann nicht am Rande des Schiffbruchs.

Hauptsächlich aber denkt der Besucher sich: Das soll jener Juan Orozco sein, der hier schon dreimal mit Verdi reüssierte, der Simon Boccanegra, Renato und Jago zwar manchmal etwas stimmprotzig, aber auch immer wieder imponierend schaffte? Durch die Partie des Rigoletto stemmt, schludert, greint und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Heinz W. Koch

Weitere Beiträge
Lust am Spiel

Die Metropolitan Opera hat sich bisher als recht glücklos erwiesen, wenn die Titelpartie von Massenets «Manon» zu besetzen war. Neuinszenierungen des Werks – etwa 1963 mit Anna Moffo oder 1987 mit Catherine Malfitano – fielen durch. Einige Aufführungen konnten zwar mit erfolgreicheren Titelheldinnen aufwarten – Mary Costa, Diana Soviero und Renée Fleming –, den...

Masse und Wahn

Es muss ein beschauliches Städtchen sein: Loudun, 7000 Einwohner, im Département Vienne südwestlich von Paris. Doch 1634 ereignete sich hier Grauenhaftes: Der charismatische Pfarrer des Ortes, Pater Grandier, wird der Hexerei für schuldig befunden, entsetzlich verstümmelt und bei lebendigem Leibe verbrannt. Auslöser der Ereignisse, die Historiker heute als...

Sasha Waltz

Sie hat sich mit Schubert auseinandergesetzt («Improm­ptus») und Opern choreografiert («Dido & Aeneas» von Purcell, «Medea» und «Passion» von Pascal Dusapin, zuletzt «Matsukaze» von Toshio Hosokawa). Auch die Idee szenischer Konzerte hat sie auf der Bühne schon einmal durchgespielt («Jagden und Formen – Zustand 2008» von Wolfgang Rihm). Doch so weit wie in ihrer...