Der Schrei des Kiwis
Drei kleine Bühnen ragen wie Inseln aus den Zuschauerreihen im Radialsystem hervor. Neben ihren Instrumenten haben Flötistin Kristjana Helgadóttir, Harfenistin Gunnhildur Einarsdóttir, Schlagzeuger Matthias Engler und Klarinettist Ingólfur Vilhjálmsson jeder ein kleines gläsernes Radio mitgebracht – Gebrauchsgegenstand und Kunsthandwerk im einen. Gemeinsam mit der neuseeländischen Komponistin Celeste Oram hat sich das Ensemble Adapter auf dem «Ultraschall»-Festival für eine Hommage an die goldenen Tage des Radios zusammengefunden.
Herausgekommen ist ein Abend voller Nostalgie, Poesie und Humor.
Im Stil klassischer Radioberichte und fiktiver Interviews geben die Performer Einblick in ihre ganz persönliche Beziehung zum Rundfunk: Wir erfahren, dass man in Island gerne mit dem Radio Frühsport treibt und vor jedem Straßenbau das Elfenministerium zu Rate ziehen muss. Passend dazu springen Beleuchtungsspots wie kleine verzauberte Irrlichter durch den Raum. Wir lauschen Wetterberichten in englischer, deutscher und isländischer Sprache, die – aus den Radiogeräten kommend – einander entweder gegenseitig finden oder stören. Komplettiert wird die Collage durch heimelig rauschende ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Anna Schors
Hätten wir nicht die Musik selbst, das Schönste an diesem Album wären die Bilder. Präziser: jene Fotografien, auf denen Martha Mödl im eleganten Abendkleid neben dem ernst dreinblickenden Wieland Wagner in ein munteres Gelächter ausbricht, als «Ring»-Heroine auf der Wagnerschen Scheibe hockt, oder im quartetto grazile mit ihrem Sangespartner Wolfgang Windgassen,...
Die Bühne stellt eine wüste Insel dar»: Im 18. Jahrhundert, in der Zeit der «Robinsonaden», hatte diese Szenenanweisung Hochkonjunktur. Man denke an die arme Ariadne, die auf Naxos um den untreuen Theseus jammert. Nicola Porpora hat ihr eine Oper gewidmet, Joseph Haydn eine Solo-Kantate, die noch heute aufgeführt wird. Doch das Thema war ihm da schon vertraut. In...
Wagners «Tristan und Isolde» in Nordhausen? In einem Haus, das keine 500 Zuschauer fasst (und zur Premiere nur 200 Menschen reinlassen durfte)? Mit einem Orchester, das gerade mal 50 Musiker zählt, dazu jede Menge Debütanten auf, vor und hinter der Bühne? Ist das nicht ein geradezu aberwitziger Plan? Ist es. Trotzdem funktioniert er, und zwar mehr als beachtlich,...
