Der schöne Schein als Geschäftsmodell

Immer mehr Opernhäuser polstern ihre Spielpläne mit «billigen» Arbeitskräften aus Nachwuchs-Studios und der freien Theaterszene auf. Eine Polemik

Es ist nicht klar, wer die Idee zuerst hatte; sie ist nicht neu, aber originell. Wenn Opernsänger jeden Abend so tun, als ob sie lieben und sterben, dazu mit stumpfen Schwertern kämpfen und – in einer Welt aus Holz und Pappe, die so beleuchtet ist, dass sie die Zuschauer für echt halten – Gift trinken, das gar nicht giftig ist: Reicht es dann nicht auch, nur so zu tun, als würde man sie anständig bezahlen? Gleiches gilt natürlich für Choristen, Regisseure, Inspizienten und Bühnenbildassistenten. Natürlich, ein paar Sänger werden die Sache durchschauen und richtige Gagen fordern.

Aber die meisten werden der Illusion erliegen – oder sie hinnehmen wie eine schlechte Inszenierung.

Die Oper, das Kraftwerk der Gefühle, ist in diesem Punkt hart und kalt. Und die Kälte gehört zum Geschäft. Denn es ist die Kunst der Intendanten, mit einer begrenzten Menge Geld möglichst viel anzustellen. Die Kunst der Sänger aber ist der Gesang – und da haben die meisten sehr oft nur eine Option: singen, zu welchem Preis auch immer. Oder eben nicht singen.

Bei einer Podiumsdiskussion am Rande des von der Bertelsmann Stiftung veranstalteten Wettbewerbs «Neue Stimmen» im Mai in Berlin (Foto) skizzierte ...

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Opernwelt August 2016
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Florian Zinnecker