Der Profi

Repertoire- und Raritätenkenntnis, Reisetätigkeit, und ein Herz fürs Kollektiv. BERND LOEBE, Intendant der Oper Frankfurt, hat sein Haus im Griff und immer noch einige Träume

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Jahrespressekonferenzen mit Bernd Loebe sind ein Spaß, und lehrreich sind sie auch. Man erlebt einen Menschen, der unmittelbar und unverziert über Dinge spricht, die ihn ernsthaft etwas angehen. Eine Selbstverständlichkeit? Merkwürdigerweise nicht. Seine Leidenschaften versteht er dabei zu zügeln. Eher entflammt er sich – das hat er mit vielen trefflichen Frankfurter Feuilletonredakteuren gemeinsam –, wenn zwischendurch von der Eintracht die Rede ist. Aber Fußball ist privat. Die Oper ist der Beruf.

Loebe ist Frankfurter, aber wenn es um den Beruf geht, ist er eher der preußische Typ, obwohl das in dieser Stadt ein zwiespältiges Kompliment bleibt – mag die Schmach der preußischen Besetzung noch so lange her sein (156 Jahre, wie er sicher weiß). Wenn es um die Oper geht, ist er kein Schwärmer, das verdoppelt und nobilitiert jedes Lob. Wenn er – und er wird vermutlich seelenruhig dabei klingen – über eine Sängerin sagt: «Sie hat mich erstaunt», oder über einen Sänger meint: «Wir haben ihn sofort engagiert», dann wird man von den beiden ziemlich sicher noch hören. 

Bernd Loebe ist ein gemütlicher Redner, davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Er ist präziser in der ...

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Opernwelt Jahrbuch 2022
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 12
von Judith von Sternburg

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