Der Mensch, überflüssig
Schnell, geradezu unweigerlich fühlt man sich durch den «Spieler» in die Sphäre einer Theatralik des Absurden versetzt. Noch über den klinisch-pathologischen Befund einer alle Fibern der Existenz erfassenden Sucht hinaus wird die Universalisierung des «Spiels» in diesem von Sergej Prokofjew selbst in Librettoform gebrachten Dostojewski-Stoff zur Metapher für eine moderne, aller Versicherungen verlustig gegangene condition humaine.
Der von westlicher Bildung berührte russische Adlige wird zum Prototyp des «überflüssigen Menschen», der von der Revolution gebrandmarkt und abgeschafft wurde – um in welterschütternder Metamorphose millionenfach aufzuerstehen als ein in die ökonomische Rationalität des globalisierten Kapitalismus ungenügend einpassbarer Faktor («Humankapital»).
Es ging mithin nicht am Grundmotiv des Stücks vorbei, wenn in der Mannheimer Inszenierung von Tilman Knabe beim spektakulären Höhepunkt, der Rouletteszene im vierten Akt, so etwas wie eine simulierte Hausbesetzung mit roten Fahnen, an den Rängen befestigten Transparenten und massenhaft ins Parkett herunterrieselnden «kommunistischen» Handzetteln stattfand. Das heißt nicht, dass die Ereignisse auf der Bühne darüber ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Hans-Klaus Jungheinrich
Eine Müllhalde, davor ein scheinbar endloser Flüchtlingsstrom: Das erste Bild lässt rabiate Aktualisierung erwarten. Doch was Ausstatter Stefan Heyme auf die Bühne gestellt hat, ist weniger naturalistisches Abbild als stilisierte Skulptur. Regisseurin Tatjana Gürbaca gewinnt daraus ein Emblem menschlichen Elends, das Gegenwart und Vergangenheit erhellend...
Seine genial simplen Klavierstücke, zumal die «Gymnopédies» und «Gnossiennes», kennt alle Welt. Unzählige Aufnahmen dokumentieren die zeitlose Popularität dieser aus der Zeit gefallenen Fingerübungen. Weniger ist mehr und langsam schöner als schnell, hatte Erik Satie da, noch vor der Wende zum 20. Jahrhundert, mit jeder Note gesagt. Der donnernd-virtuosen...
Schon in der ersten Szene fällt das Stichwort, das wie ein Leitmotiv immer wiederkehren soll: «Wir arme Leut!» Auch für Paul-Georg Dittrichs neue «Wozzeck»-Inszenierung (in Bremen die erste nach 45 Jahren) ist die Unvereinbarkeit von existenzieller Armut und Tugend das Thema, das es auf zeitlose Gültigkeit hin zu überprüfen gilt. Deshalb legt sich die...
