Der Mensch, überflüssig

Surreale Dystopie: Alois Seidlmeier und Tilman Knabe entfesseln am Nationaltheater Mannheim ein fulminantes Spiel mit Prokofjews «Spieler»

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Schnell, geradezu unweigerlich fühlt man sich durch den «Spieler» in die Sphäre einer Theatralik des Absurden versetzt. Noch über den klinisch-pathologischen Befund einer alle Fibern der Existenz erfassenden Sucht hinaus wird die Universalisierung des «Spiels» in diesem von Sergej Prokofjew selbst in Librettoform gebrachten Dostojewski-Stoff zur Metapher für eine moderne, aller Versicherungen verlustig gegangene condition humaine.

Der von westlicher Bildung berührte russische Adlige wird zum Prototyp des «überflüssigen Menschen», der von der Revolution gebrandmarkt und abgeschafft wurde – um in welterschütternder Metamorphose millionenfach aufzuerstehen als ein in die ökonomische Rationalität des globalisierten Kapitalismus ungenügend einpassbarer Faktor («Humankapital»).

Es ging mithin nicht am Grundmotiv des Stücks vorbei, wenn in der Mannheimer Inszenierung von Tilman Knabe beim spektakulären Höhepunkt, der Rouletteszene im vierten Akt, so etwas wie eine simulierte Hausbesetzung mit roten Fahnen, an den Rängen befestigten Transparenten und massenhaft ins Parkett herunterrieselnden «kommunistischen» Handzetteln stattfand. Das heißt nicht, dass die Ereignisse auf der Bühne darüber ...

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Opernwelt April 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Hans-Klaus Jungheinrich

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