Der Mann hinter den Theaterbildern

Robert Wilson, schrieb der Anglist und Theaterwissenschaftler Christian W. Thomsen Anfang der neunziger Jahre, ist «ein assoziativer Künstler, dem sich, ungeachtet seines Präzisions- und Detailfanatismus, Sinnzusammenhänge über Bilder und Klänge und nicht logisch-analytisch erschließen». Zur offenen Dramaturgie dieses Zauberers, der Sprache, Gestik und Körper, Sound, Licht und Technik in seinen (gezeichneten) Regie-Partituren zu einer neuen Theaterästhetik verschmolz, gehört nicht zuletzt der intensive Austausch mit seinen Darstellern.

Gruppengespräche in Istanbul (Foto), Ideenskizzen in seinem New Yorker Loft, Sessions mit Studenten im Watermill Center auf Long Island, Brecht-Proben mit Angela Winkler in Berlin, ein Diner in Taipei – es ist der Mann hinter den magischen Bildern, die der deutsche Fotograf Jo Röttger in seinem Fotoessay «Wilson’s World» (Peperoni Books Berlin, 2009; 216 Seiten, 48 Euro) sucht. Impressionen aus der texanischen Provinz, in der Wilson aufwuchs, an deren bigotter Leere er beinahe zerbrochen wäre und die sein ästhetisches Sensorium doch für immer prägen sollte («All I took from Texas is the feeling for light and shape»), sind als Prolog, Zwischenspiel ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Medien/Bücher, Seite 37
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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