Der Kuss der Spinnenfrau
Die Heilige ist nackt. Splitterfasernackt. Mit dem Rücken zu uns, embryotisch gekrümmt, liegt Maddalena (Randi Lund) an der Bühnenrampe, Schutz suchend, wo nur spitze Schuhe sind. Mehrfach, fast obsessiv, tritt ihr ein blondgewellter Mann in hellblauem Anzug und verspiegelter Sonnenbrille mit ungeminderter Wucht in den Schoß, selbst vor der Apostelin der Apostel hat dieser Fiesling keinen Respekt. Ganz im Gegenteil. Auch sie ist nur stumpfe Materie für ihn, Objekt jenes machtlüsternen Sadismus, mit dem er über Rom herrscht und alle, die dort leben, Kinder, Künstler, Knappen.
Ein schockierendes Bild, nicht das einzige. Wieder einmal sucht Calixto Bieito nach den Extremen eines Werks; in «Tosca» liegen sie für ihn in jenen Bereichen der menschlichen Existenz, wo das Böse regiert, hemmungslos, hartherzig, hinterhältig. Scarpia ist nur ihr prominentester Vertreter – Teil eines politischen Systems, das seine Glieder in zwei Gruppen aufteilt: in diejenigen, die zu machiavellistischen Monstern mutieren, und in Opfer. Dazwischen gibt es nur die Kunst. Aber dazu später.
Am Anfang, vor der Musik, steht die gesellschaftliche Realität. Und die ist, auf Susanne Gschwenders leerer Bühne, ...
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Ja, dergleichen passiert, wenn Frauen zu sehr lieben. Dann gibt es Ärger, weil nicht der Mann vor Ort ist, dem die tiefe Neigung gilt. In Mozarts jugendlichem Geniestreich, der viel zu selten auf der Bühne zu erleben ist, trifft es Aspasia, die Verlobte des Königs. Der hat sich, um die Tugend seiner Söhne zu überprüfen, totgemeldet und muss nun den Tatsachen tief...
In Dresden, der Stadt seiner Uraufführung, kam schon 1948, kurz nach dem Krieg, ein neuer «Rosenkavalier» heraus. Die Produktion bildete die Grundlage für eine Rundfunk-Studioaufnahme, die nun unter Verwendung der Originalbänder für die verdienstvolle Reihe «Semperoper Dresden» auf CD erschienen ist.
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Ach, der Sommer! Faule Nachmittage in der Sonne, blühende Gärten, Picknicks auf der Wiese – und Oper Open Air. Wir Briten fahren auf Outdoor-Bühnen total ab. Beim ersten Sonnenstrahl im April rauscht alle Welt zum Baumarkt, um Grill und Gartenmöbel zu kaufen; zugleich gehen Tickets zu Freiluftveranstaltungen aller Art weg wie warme Semmeln. Gerade so, als hätten...
