Der Kaiser als Gentleman
Sie ist die Strippenzieherin im Reiche Roms. Sie will den Kaiser ermorden lassen, weil der es zunächst ablehnt, sie zu heiraten. Vitellia ist eine Auftraggeberin für Killer, die die schmutzige Arbeit an ihren Geliebten Sesto delegiert und am Ende doppelt glücklich davonkommt, weil das Attentat gescheitert ist und sie ausgerechnet von ihrem Wunschopfer begnadigt wird. So viel Boshaftigkeit und die späte Einsicht, sich verrannt zu haben, erfordern eine wandlungsfähige Stimme. Alexandrina Pendatchanska besitzt zweifellos eine solche.
Bei der von René Jacobs geleiteten konzertanten Aufführung von Mozarts «Tito» in der Kölner Philharmonie war sie der Dreh- und Angelpunkt in einem äußerst homogenen und gleichzeitig sehr differenziert agierenden Sängerensemble. Die Zweigliedrigkeit ihrer Auftrittsarie «Deh se piacer mi vuoi» mit ihrem kokettierend-werbenden ersten Teil und dem mahnenden zweiten arbeitete sie mit einer besonders in den Koloraturen überzeugenden Entschlossenheit heraus. Auch die Rezitative, vor allem das «Ecco il punto» im zweiten Akt, füllte sie mit einer die fehlende Bühne vergessen machenden dramatischen Gestaltungskraft. In der nachfolgenden Arie «Non più di fiori» ...
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In Heidelberg hat sich die neue Intendanz entschieden, in jeder Saison «die spannendste neue Oper des letzten Jahres» zu präsentieren. Den Anfang macht man nun mit «Berenice», uraufgeführt bei der Münchener Biennale 2004 (siehe OW 7/2004). Der junge österreichische Komponist Johannes Maria Staud und sein Librettist, der renommierte Lyriker Durs Grünbein, haben sich...
Er habe erstmals versucht, sich von Wagner abzuwenden, bekannte Walter Braunfels 1909 zu seiner «Prinzessin Brambilla». Die Form der Commedia dell’arte sollte alles Pathos, alle rauschhaft bezwingende Macht der Wagner’schen Musik bannen – durch ironische Brechungen und groteske Zuspitzungen. Man mag darüber streiten, ob das, mit Blick auf die «Meistersinger»,...
Der Tenor der Pausengespräche war eindeutig: Selten so gut unterhalten. Stimmt: Regisseur Johannes Schaaf lässt das Personal mindestens ebenso munter wirbeln wie die Drehbühne. Das Timing stimmt, die Pointen da Pontes und Mozarts werden präzise umgesetzt. Schaut man sich zudem die historisierende Ausstattung von Stefan Aarfing an, fragt man sich, ob denn da noch...
