Der Experte
Claudio Monteverdi, bekannte John Eliot Gardiner vor einigen Jahren im Gespräch mit dieser Zeitschrift, bleibe für ihn «der Maßstab schlechthin» (OW 12/2016). Wie maßstabsetzend Aufführungen von dessen Werken unter seiner Leitung bleiben, ließ zuletzt der Zyklus mit den drei erhaltenen Opern hören, für den Gardiner 2018 zum «Dirigenten des Jahres» gewählt wurde.
Auf Tournee durch mehrere Städte waren die Bedingungen ganz auf ihn zugeschnitten: Der Monteverdi Choir, 1964 von Gardiner beim Studium in Cambridge gegründet, klang wie immer agil und schlagkräftig.
Mit den üppig besetzten English Baroque Soloists, seit 1978 auf Originalklanginstrumenten spielend, fächerte der Dirigent den Generalbass in immer neuen Kombinationen auf. Das sich in den drei Opern weitgehend gleichbleibende Sängerensemble deutete die Charaktere intim aus der Rhetorik des Librettos. Und nicht zuletzt zeichnete Gardiner gemeinsam mit Elsa Rooke für die «halbkonzertante» Regie verantwortlich: ein Theater, das auf spärlichen Brettern doch die ganze Welt hörbar zu machen wusste, in ihren großen wie in ihren scheußlichen Seiten.
Umso erstaunlicher die Begründung, die Gardiner damals im Gespräch für seine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2023
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Michael Stallknecht
Ein Königreich für eine Wampe, pardon, für ein Embonpoint? Nicht in Nürnberg. Claudio Otellis Falstaff ist zwar kein James Dean und auch kein Casanova – ein Fettwanst aber ebensowenig. Seine Baritonstimme gleicht der Figur. Leicht füllig ist sie, dabei durchaus gelenkig, weder überbordend noch schwammig, eher stabil, gutsitzend in Mittellage wie Tiefe und...
Nishni Nowgorod liegt am Zusammenfluss von Oka und Wolga. Im 19. Jahrhundert nannte man sie sogar «die dritte Hauptstadt Russlands». Vor kurzem feierte die Millionenmetropole ihr 800-jähriges Jubiläum, und aus diesem Anlass wurde vieles restauriert. Weniger freundlich behandelte man seitens der politischen Elite bislang die Oper. Nun jedoch hat der neue...
Der kleine Amor hat spürbar Lust auf diesen Abend. Zu den ersten Takten des Vorspiels klettert er aus den Tiefen des Bühnenbodens herauf, richtet die Kissen und zieht beim übergroßen Himmelbett die Gardinen zu für das, was wir im Orchestergraben ohnehin schon deutlich hören: den Liebesrausch zwischen der Marschallin und ihrer jugendlichen Amour fou Octavian. Nicht...
