Der Berg leuchtet
In der Wüste bekommt man schnell ein Gefühl dafür, was wichtig und was unwichtig ist. Meinungsvielfalt und Streitlust schmelzen unter der erbarmungslosen Sonne hinweg, die Wüste zwingt zu klaren Entscheidungen. Nicht ohne Grund ist hier der Monotheismus entstanden, der nur einen Gott zulässt. Die Wüste fördert Konzentration und Klarheit des Geistes. So gesehen ein toller Ort für Kunst – und für Oper. Hanna Munitz, Intendantin der Israeli Opera in Tel Aviv, denkt das schon lange.
Seit 2010 setzt sie ihren Traum in die Tat um: Jedes Jahr im Juni wird zu Füßen des Masada-Felsens am Toten Meer eine Oper aufgeführt. Um Stille, Bescheidenheit oder Demut vor der Natur geht es dabei allerdings weniger. Das Ganze ist ein Event, ein Volksfest, der Aufwand biblisch. Für fünf Vorstellungen wuchten 2000 Arbeiter eine kleine Opernstadt in eine lebensfeindliche Umgebung, in der die Luft am Tag bei 40 Grad brennt. Unverzichtbar, auch in der Nacht, ist da die PET-Wasserflasche, die im VIP-Bereich kostenlos ausgegeben wird. 7500 Plätze fasst die Tribüne, es gibt nur eine Straße, und trotzdem funktioniert die Anreise reibungslos. Die Gesamtkosten liegen bei 30 Millionen Schekel (sechs Millionen ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Udo Badelt
Alles läuft gleichzeitig. Drinnen fantasiert Wolfgang Rihm mit Nietzsche über Nietzsche; draußen animiert ein Shaolin-Mönch zum Tai Chi. Wenn das Publikum der Berliner «Dionysos»-Premiere aus dem Schiller Theater in die sommerschwüle Pause strömt, sind die Exerzitien auf dem Vorplatz bereits in vollem Gang. Jeder kann mitmachen. In der Schiller Werkstatt lassen...
Willkommen in der Welt der Posen. Warum sollte ein Opernsänger nicht Ronaldos Pfauengehabe imitieren? Willkommen in der Welt des Halls, der die Stimme riesenhaft schwellen lässt. Welche Zauberkunst war es, die ihr in der tiefen Lage bassbaritonale Fülle geschenkt hat und in der Höhe (klanglich seltsam abgekoppelt von der mittleren Lage) tenorale Töne, die an den...
God save our gracious Queen. Aus dem Schaufenster eines Souvenirladens an der Piazza von Covent Garden sehen wir im Vorbeigehen die Königin winken, ein putziges Figürchen, angetrieben über eine Solarzelle; das Winken scheint daher endlos, vielleicht noch mal eine diamantene Spanne lang. Im Royal Opera House blicken wir dann auf die andere Langzeitdienerin am...
