Denke weiter nach!
In sein «Wintermärchen» vom Silbersee ließ Georg Kaiser, viel gespielter Dramatiker dieser Jahre, einige Wirklichkeit eingehen. Junge Arbeitslose, denen keine Parolen mehr gegen den Hunger helfen, plündern einen Lebensmittelladen, in dem Lebensmittel weggeworfen werden, um die Preise hochzuhalten. Auf der Flucht wird der Anführer Severin angeschossen. Den Polizisten Olim plagt danach sein Gewissen.
Hätte er nur Geld, er wolle wiedergutmachen! Da macht ihn ein Lotteriegewinn schlagartig zum Schlossbesitzer, er pflegt sein Opfer inkognito, bis die Sache auffliegt und wegen Blödheit das Schloss wieder futsch ist, und dann stehen Olim und Severin erneut vor dem Nichts. Das Wintermärchenhafte ist nun, dass der Silbersee, in dem sie sich ertränken würden, zufriert, obwohl gar kein Winter ist. Wer weiter muss, den trägt der Silbersee, heißt es, und Weill schrieb, vier Jahre nach der «Dreigroschenoper», ein allerschönstes Märchenmusikfinale dazu, nach allerhand Spitzigem und Witzigem, Agit-Songs, Chorälen, Trauermärschen, Totentanz und Tango.
Schon zwei Wochen nach der Uraufführung im Februar 1933 war der hoffnungsfrohe Schluss eingeholt von der Wirklichkeit und der «Silbersee», der das ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Holger Noltze
Kris Defoorts jüngste Oper geht unmittelbar aus dem Singen hervor, zugleich ist Gesang in der Saga einer US-amerikanischen Familie das einigende Band zwischen Schwarzen und Weißen. «The Time of Our Singing» kann daher als Gesangsoper im doppelten Wortsinn verstanden werden. Das dreiaktige Werk beruht auf dem 2003 erschienenen, gleichnamigen Roman von Richard...
62. Jahrgang, Nr 11
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752349
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Andrea Kaiser | redaktion...
Ach ja, die Liebe. Könnte so einfach sein, schwerelos, süß und seelenvoll, kurzum: die schönste Sache der Welt. Klappt nur leider nicht immer, das weiß auch der traurige Dichter Hoffmann. Aber er tröstet sich und uns damit, dass er seine melancholisch getünchten Erfahrungen in Töne kleidet und eben von dem singt, wovon er nicht mehr sprechen mag und was nur noch...
