Demokratie – wo ist denn die?
Russland ist derzeit ein besonders korruptes Land, dessen Regierung macht, was sie will. Steif und fest wird offiziell behauptet, die Demokratie floriere auf allen Ebenen. Natürlich spricht das der Realität Hohn. Dem Bolschoi Theater gab es jetzt Anlass zu einer scharfen Satire. Herausgefordert, wie zu Zeiten von Schostakwitschs «Lady Macbeth von Mzensk», fühlt sich durch die Oper freilich schon längst kein russischer Politiker mehr: Zur aktuellen Form der Demokratie gehört, dass man Kunst kaum mehr zur Kenntnis nimmt, geschweige denn ernst.
Der 42-jährige, vom Schauspiel kommende Regisseur Kirill Serebrennikow hat bereits «Falstaff» im Mariinsky-Theater (Dirigent: Valery Gergiev) und ein Projekt im Rahmen des Festivals «Territorium» erarbeitet (Dirigent: Teodor Currentzis). Beide Abende bezogen Stellung gegen die unerträgliche moralische Situation in Russland. Serebrennikow zeigt (auch in seinen Filmen und Sprechtheater-Produktionen) auf Wundmale der russischen Geschichte und Gegenwart: Altlasten der zaristischen Vergangenheit, Korruption, das Leben jenseits von Gesetzen, Käuflichkeit von allem und allen.
In seiner ersten Inszenierung im Bolschoi Theater arbeitete er mit Vassily ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 36
von Alexej Parin
Nicht einmal Verehrer wussten davon, als Julia Varady sich von der Bühne zurückzog – mit einer völlig intakten Stimme. Ende 2003 war das. Im Jahr zuvor hatte sie «Edgar» aufgenommen und konnte als Fidelia klingen wie das junge Mädchen, das sich Puccini vorgestellt hat (siehe OW 9-10/2003). Vierzig Jahre öffentlichen Singens lagen da hinter ihr. Man hört es nicht....
Im Licht von John Cage und Fluxus verkündete Heinz-Klaus Metzger, deutscher Chefpropagandist der musikalischen Avantgarde, vor Jahren: Nur solche Musik sei heute noch Musik, die keine Musik sei, während Musik, die Musik sei, keine Musik sei. Was am Sonntagnachmittag des 24. Juli in der Salzburger Altstadt, in der an Mitwirkenden bislang umfangreichsten Aufführung...
Sind in «Rinaldo» cineastische Qualitäten zu finden? Robert Carsen scheint das zu glauben. Oft denkt man an James Bond-Filme oder das Fantasy-Genre, während man seine Inszenierung in Glyndebourne verfolgt. Er liebt das Magische, die Intrigen in dieser zur Zeit des Ersten Kreuzzugs spielenden Geschichte. Für historische Aufführungspraxis, die Bühneneffekte des...
