Delirium und Himmelfahrt

Mozart-Dienst: alle drei Da-Ponte-Opern an einem Tag in Budapest

Opernwelt - Logo

Das hätte uns auch behagt: rechts eine Flasche vortrefflichen Tokajerweins, vor uns eine Dose voll Tabak aus Sevilla. Und eine Klingel, um ein junges, schönes Mäd­chen von sechzehn Jahren zur Verrichtung kleinerer Dienste ins Zimmer zu rufen. So beschreibt Lorenzo Da Ponte das Arrangement auf seinem Schreibtisch zu jener Zeit, da er zwei Monate lang und zwölf Stunden täglich fast gleichzeitig an den Libretti für Mozarts «Don Giovanni», Martín y Solers «Baum der Diana» und der italienischen Version von Salieris «Tarare» (die er «Axur» nannte) schrieb.


Zwei Monate lang waren wir zwar nicht gefordert, doch mit den zwölf Stun­den an einem Tag kam es locker hin. Denn das Buda­pester Frühlingsfestival 2006, das sich dem 125.Geburtstag von Béla Bartók widmete, aber zugleich am Mozart-Jahr nicht vorbeikam, bot im «Millenium Theater», einer ehemaligen Fabrik, an einem schönen Märzsonntag sämtliche Da-Ponte-Opern – von elf Uhr vormittags bis halb eins in der Früh, mit kleinen Pausen. Ein toller Tag, den der Besucher vor allem Balázs Kovalik verdankte – einem in Deutschland ausgebildeten jungen Regisseur, der an der Bu­da­pester Staatsoper die in Ungarn keineswegs beliebte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Magazin, Seite 28
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Steiler Aufstieg und frühes Leid

Was heute Anna Netrebko ist, war in den sechziger und siebziger Jahren Anna Moffo. Sie verfügte über Beauté und Aura eines Hollywood-Stars. Nur dass ihre optischen Reize dem Niveau einer Gesangskunst entsprachen, das Anna Netrebko bislang nicht erreicht. Anna Moffo bestach mit einer lyrischen, vollen und strahlenden Sopranstimme sowie vollendeter Koloraturtechnik....

Editorial

Die Dichte an Opernhäusern in Deutschland ist nach wie vor einzig­artig. Wer in Amerika oder Japan, in Skandinavien oder Italien mit Theaterleitern spricht, wird überall auf ähnliche Reaktionen stoßen: so viele Häuser, so viele Eigenproduktionen, so viel Tradition, so viele Profile – was für ein Potenzial, was für ein Reichtum an kultureller Grundversorgung. Wie...

Seelentausch

Finstere Romantik: skurril, fantastisch, unerklärlich. Roland Mosers Oper «Avatar» – das Libretto stammt vom Komponisten – basiert auf einer 1856 erstmals veröffentlichten Novelle von Théophile Gautier. Ein Text, wie ihn sich auch E. T. A. Hoffmann hätte ausdenken können. Ein merkwürdiger Doktor, der zu grotesken wissenschaftlichen Versuchen neigt und dadurch den...