Banal oder radikal?

Lorenzo Fioronis Heidelberger Inszenierung von Debussys «Pelléas und Mélisande» polarisiert. Zwei Ansichten

Im Rahmen der anspruchsvollen, mit raren und riskanten Stücken nicht geizenden Opernspielzeit am Theater Heidelberg ist dieser «Pelléas» ein szenischer Ausfall. Ja, ein Ärgernis. Und das trotz günstiger Voraussetzungen. Das Orchester findet unter seinem GMD Yordan Kamdzhalov zu jener sensiblen Klangbalance, von der Debussys scheues Meisterwerk lebt. Dass sich stimmungstrunkene Klangfarben und penible Strukturierung der Partitur ergänzen, wird schon in der Einleitung plausibel. So soll es sein.

Das Sänger-Ensemble hört immer wieder in Debussys Klang der Worte hinein: Annika Sophie Ritlewski als mit lyrischen Stimmqualitäten aufwartende, zerbrechlich-starke Mélisande; Angus Wood als tenoraler, heller, fast heldischer Pelléas; Ipca Ramanovic als kernig-sonorer Golaud; Carolyn Frank, stets das, was man eine «Erscheinung» nennt, als elegant phrasierende Geneviève; Wilfried Staber als klangsatter (allerdings im Französischen radebrechender) Arkel.

Die Szene aber zerstört alles, was unter solchen Voraussetzungen möglich wäre. Lorenzo Fioroni drangsaliert Zuschauer (und Mitwirkende!) mit egomanen Einfällen, verweigert sich aber dem inneren Reichtum, den Debussy und Maeterlinck anbieten. Man ...

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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Mösch & Uwe Schweikert