Das reine Entzücken

Eine Wiederbegegnung mit der Mozart-, Rossini- und spanischen Lieder-Kunst Teresa Berganzas

Es ist 60 Jahre her, dass sich ein «zierliches, dunkelhaariges Mädchen mit strahlenden Augen [und] einem wie von Murillo gemalten Gesicht», so berichtet die Chronik des Glyndebourne Festivals, als Cherubino in die Herzen der Besucher sang: die damals 23-jährige spanische Mezzosopranistin Teresa Berganza. Wenig später stand sie neben der (Cherubini-)Medea von Maria Callas in Dallas auf der Bühne. 1959 folgte sie der Einladung des Regisseurs Carl Ebert, mit dem Dirigenten Vittorio Gui ein engagierter Anwalt Rossinis, und sang in Glyndebourne die Angelina in «La Cenerentola».

Bald schon war sie als Weltreisende für Mozart und Rossini unterwegs, aber auch in Partien wie Ottavio in Monteverdis «Die Krönung der Poppea», Ruggiero in Händels «Alcina» und Neris in «Medea», bevor sie – in langsam, also klug gesteuerter Entwicklung – Partien wie Charlotte («Werther») und Carmen übernahm.

Dies ist der kurz skizzierte Hintergrund zweier Alben mit Aufnahmen, die überwiegend zwischen 1959 und 1962 entstanden sind – darunter sieben Arien von Mozart (unter John Pritchard), acht von Rossini (unter Alexander Gibson) und acht weitere von Gluck, Pergolesi, Händel und Cherubini. Beim Wiederhören ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Jürgen Kesting

Weitere Beiträge
Faltenwurf des Populären

Tief ist der «Faltenwurf der italienischen Tradition», die Dortmunds neuer Opernchef Heribert Germeshausen zu Beginn eines Kennenlern-Wochenendes beschwor. So tief, dass eine ganze «Aida» drin verschwinden kann. Denn so fade, uninspiriert, so wenig neugierig, so sehr Heutigkeit und Brisanz nur behauptend, dafür Gemeinplätzchen schlechter Tradition reichlich...

Don Giovanni bei den Corsinis

Das Tor geöffnet, die Allee flankiert von Abendpersonal, Zelten, Bars und fern sichtbar die Tribüne vor dem Palazzo: Der Festival-Besucher tritt in eine andere Welt. Und das in zweifacher Hinsicht. Der Giardino Corsini al Prato, stilechter italienischer Barock, befindet sich im Herzen von Florenz und entführt in ein Zauberreich aus Statuen, frisierten Hecken,...

Biedere Konvention

Es ist kaum zu glauben, aber unverrückbare Tatsache: Vor 82 Jahren stand Meyerbeers Meisterwerk «Les Huguenots» zum letzten Mal auf dem Spielplan der Pariser Oper. Dabei zählte das Werk, Inbegriff der Grand opéra, mit 1118 Vorstellungen seit der Uraufführung (1836) zu den meistgespielten Opern nach Gounods «Faust». Nach 1936 gab es nur sehr spärliche Versuche, den...