Das offene «Machwerk»

Über einige Schwierigkeiten (mit) der «Zauberflöte» oder: Wie Mozarts finales Singspiel die Postmoderne vorwegnimmt und entkräftet

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Musik verbindet, versöhnt, vereint Menschen – nationen- wie generationen- und schichtenübergreifend: als harmonisierende Himmelsmacht. Doch so lieb einem die Vorstellung sein mag: Sie stimmt leider nicht. Denn in kaum einer anderen Kunst sind die Trennlinien so ausgeprägt. Schon E und U stehen für grundverschiedene Welten, auch wenn sie manchmal weniger monolithisch sind, als deren Verfechter zuzugestehen bereit sind. Aber in beiden Sphären sich gleichermaßen auszukennen, ist immer schwieriger geworden. Eine mögliche Einheit rückt in immer weitere Ferne.

Selbst innerhalb der Klassik ist der Konsens oft geringer als erwartet. Oper und Kammermusik, Sinfonik und Klaviervirtuosität, Lied und Kirchenmusik sind keineswegs allen Musikbegeisterten gleich lieb und wert. Sogar konfessionelle Grenzen spielen noch in der eurozentrischen Kultur eine Rolle. Im katholischen oder auch orthodoxen Bereich haben Bachs Chorwerke beileibe nicht die Signifikanz wie im protestantischen, zumal deutschsprachigen Raum. Als Mauricio Kagel im Bach-Jahr 1985 das aparte Paradoxon formulierte: «Es mögen nicht alle Musiker an Gott glauben, an Bach glauben sie alle», war dies ein frommer Wunsch, gibt es doch ...

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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Essay, Seite 74
von Gerhard R. Koch

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