Das Maß ihrer Verletzung

Andreas Homoki führt Charpentiers «Médée» in Zürich als Seelendrama und Schaustück vor, William Christie lässt die Partitur förmlich aufglühen

Der Prolog, in dem sich Marc-Antoine Charpentier zusammen mit seinem Librettisten Thomas Corneille vor Louis XIV. verneigt, fehlt. Gleichwohl lässt der Abend im Opernhaus Zürich keinen Zweifel daran, dass es sich bei «Médée», 1693 in Paris aus der Taufe gehoben, um ein wahrhaft königliches Spektakel handelt. In die «Tragédie en musique» eingefügt ist eine Vielzahl an Divertissements, an Tableaux und Tänzen, die genuiner Teil des musikalischen Theaters am Hof waren.

Grund genug für den Cembalisten und Dirigenten William Christie, von dieser zum Teil hinreißend schönen Musik rein gar nichts zu streichen – was Andreas Homoki, den inszenierenden Zürcher Hausherrn, vor nicht einfach zu lösende Aufgaben stellte. Barocke Tänze in historischer Praxis, das wäre gewiss auch eine Option gewesen. Homoki hat sich anders entschieden.

Er behandelt die Divertissements nicht als Momente gehobener Unterhaltung außerhalb des dramatischen Ablaufs, sondern integriert sie in die Handlung. Oder umgekehrt: Er baut das Geschehen in die Divertissements ein, so dass diese dekorativen, retardierenden Teile ihre Pausenfunktion verlieren und zu vollgültigen Elementen des Bühnengeschehens wurden. Aspekte der ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Peter Hagmann

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