Das Leiden dieser Welt
Roms Glaube ohne Worte!» wollte Friedrich Nietzsche in Richard Wagners «Parsifal» gehört haben, nachdem er vom Verehrer zum Intimfeind des Bayreuther Meisters mutiert war und auf dessen kunstreligiöse Anwandlungen nebst Keuschheitsethik nur mehr mit Bissigkeit antworten konnte.
Um die böse Sentenz des Philosophen bloß nicht zu bestätigen, tilgt Michael Thalheimer in seiner Genfer Neuinszenierung nun jeglichen visuellen Anklang ans Sakrale: Die Gralsritter praktizieren kein Abendmahl, Gurnemanz salbt seinem Schützling Parsifal weder Füße noch Haupt, der gereifte reine Tor verwandelt die Jüdin Kundry nicht via Taufe zur Christin. Diese Kunst des Weglassens passt perfekt zum Image des Regisseurs als Experte der radikalen Reduktion. Selbst Requisiten gibt es kaum. Nur der Speer des Amfortas, den ihm Klingsor einst entwand, taucht im zweiten Aufzug auf, hier dann als einzige neue Zutat auch eine Pistole, die Kundry mit sich führt, um ihren Peiniger in den letzten Takten des Akts ins Jenseits zu befördern. Streng abstrahiert taucht im Bühnenbild von Henrik Ahr dann doch das Kreuz auf, sowohl in den hellen Mauern der Gralsburg als auch in der pervertierten Variante schwarzer Quader im ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Peter Krause
Mit nachtwandlerischer Sicherheit ballte Librettist Felice Romani weiland für diese Oper romantische Versatzstücke zu einer brillanten Mixtur. Aus heutiger Sicht indes können die versierte Dramaturgie seiner Dichtung und die lyrische Schönheit mancher Verse weder über das angestaubte Bild von Mann und Frau noch die Rechtfertigung von Standesunterschieden...
Unter Verdis Opern der mittleren Periode, die mit dem Erfolgsstück «Rigoletto» 1851 beginnt und elf Jahre später mit der Uraufführung von «La forza del destino» endet, nimmt «Il trovatore» schon allein deswegen eine Sonderstellung ein, weil zwischen dem Drama, auf dem dieses Bühnenwerk fußt, und dem Libretto, das ihm zugrunde liegt, eine eklatante Lücke klafft....
alpha
05.03. – 21.45 Uhr Rossini: Stabat Mater
Es wird selten aufgeführt, das «Stabat Mater» von Gioachino Rossini. Es ist zwar ein geistliches Werk, aber durch und durch vom Geist der Oper inspiriert. Deshalb braucht es erstklassige Solisten. Dieser Aufgabe stellten sich zum Start des Rossini-Jahres 2018 Howard Arman und der Chor des Bayerischen Rundfunks in einer...
