Das lange Sterben
Peter Mussbach macht es uns mit seiner «Traviata»-Sicht nicht leicht, schlimmer: Er langweilt uns. «Diese Straße muss ich gehen» – winterreisenhaft erleben wir eine metaphorische Reise in den Tod, hier als Autofahrt, klischeehaft banalisiert, unter anderem durch eine Titelfigur im Monroe-Look. Gewiss, auch die Monroe war am Ende ihres Lebens eine Art Todesengel, und vielleicht hat für Mussbach gar die Todesfahrt der Lady Di als Ideenimpuls hergehalten.
Wer weiß? Fragen wir lieber: Was macht er aus den kleinen Psychologisierungen, die das Stück prägen? Dazu fällt dem Ex-Psychiater Mussbach nicht viel ein. Mag diese Inszenierung, die im Sommer 2003 beim Festival von Aix-en-Provence mitgeschnitten wurde, aber bereits an der Berliner Staatsoper (mit völlig anderer Besetzung) Premiere hatte, zwar einige kluge Gedanken zum Thema Sterben bieten, und mögen auch einzelne Bilder hohe Eindringlichkeit besitzen, überzeugen kann dieses Konzept nicht.
Musikalisch hat die Aufführung klarere Argumente parat, vor allem Matthew Polenzani, der einen flexiblen, weichen, fast dahinschmelzenden Alfredo singt; warum Zeljko Lucic besonders im italienischen Repertoire geschätzt wird, zeigt er als ...
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Ein fast unbemerkter Abschied: Piero Cappuccillis letzter Auftritt in Berlin, Ende der neunziger Jahre in der Philharmonie, bei einem skurrilen Konzert, das ein ehemaliger Tänzer der Deutschen Oper arrangiert hatte. Der versuchte sich als Konzertveranstalter und ging auf Bauernfang: «Erleben Sie die Stars der Mailänder Scala», stand auf den Plakaten. Der Einzige,...
Bevor Daniel Barenboim ihn gefragt habe, ob er sich vorstellen könne, in Bayreuth «Tristan und Isolde» zu inszenieren, verriet Heiner Müller vor zwölf Jahren in einem Gespräch mit dieser Zeitschrift (siehe OW 9/93), sei Patrice Chéreau für den Job vorgesehen gewesen. Der jedoch habe abgelehnt: «Tristan» könne man nicht inszenieren, das sei «ein Hörspiel». In der...
Eine Mikrofonstimme hatte James King, der in diesem Jahr achtzig Jahre alt wurde, nie. Wer live erlebt hat, wie er etwa die große Szene des Kaisers in Strauss‘ «Frau ohne Schatten» aufbaute und steigern konnte – und zwar steigern im Sinne einer immer intersiver sich im Raum ausbreitenden, unforcierten Klangfülle –, der weiß, dass ein Mikrofon dergleichen nie...
