Das fühlende Herz

Neue Mozart-Recitals von Diana Damrau und Annette Dasch

Der Schritt, den Diana Damrau auf ihrem zweiten Soloalbum macht, ist kühner, als es auf den ersten Blick aussieht. Denn obwohl Mozart schon im Zentrum ihres CD-Debüts gestanden hatte, proklamiert die gefeierte Königin der Nacht nun ihren Anspruch auf einem Terrain, auf dem sie mit den Kronjuwelen ihres Koloratursoprans wenig ausrichten kann: Bei Elvira, Vitellia und der Figaro-Gräfin sind die dunkleren Farben von Seelenschmerz und Melancholie gefragt, die Damrau nur sehr begrenzt zur Verfügung stehen. Ein verlorenes Spiel, sollte man meinen – und wird prompt eines Besseren belehrt.

Denn fast durchweg gelingt Damrau der Nachweis, dass diese Mozart-Frauen durch eine leichtgewichtigere Darstellung keineswegs an Tiefgang verlieren, sondern im Gegenteil an Jugendlichkeit, aber auch an Zerbrechlichkeit gewinnen. Ihre Pamina ist ein echtes Mädchen, dass die Liebe dahinschwinden sieht, noch ehe sie mehr als eine Ahnung von ihr bekommen hat, ihre Gräfin ist nur durch Schicksalslaune zu etwas Besserem geworden als ihre Zofe Susanna. Natürlich kann Damrau im langsamen Teil von «Dove sono» nicht mit den edel betörenden Tönen einer Kiri Te Kanawa oder Margret Price aufwarten, doch sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2008
Rubrik: Medien/CDs, Seite 26
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zugespitzt

Nachdem Herbert von Karajan im September 1956 (Karl Böhm hatte demissioniert) die Leitung der Wiener Staatsoper übernommen hatte, erfüllte sich ein Jahr darauf sein schon 1946 erhobener Anspruch, die künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele, bis dahin wahrgenommen von Wilhelm Furtwängler, Oscar Fritz Schuh, Caspar Neher und Gottfried von Einem, zu...

Plädoyer für den singenden Menschen

Die Opernhäuser Deutschlands sind mit zunehmenden Heraus­forderungen und Bedrohungen konfrontiert. In einer Zeit knapper Kassen wächst der Legitimationszwang. Der traditionelle Repertoirebetrieb, festangestellte Ensembles und Orchester, machen die Opernlandschaft Deutschlands zu einer aufwändigen Sache. Weltweit gibt es nichts Vergleichbares. Zunehmend wird Oper...

Im Zeitlosen

«Die Frau ohne Schatten» ist gespickt mit Anspielungen und Motiven, mit Zitaten und Entlehnungen; sie lässt sich nicht wirklich inszenieren, ohne dass es an einigen Stellen gründlich hakt. Wer als Regisseur jeden Bezug, jedes Symbol mit einer Erklärung versehen möchte, ist schnell verloren.
Auf diesem Hintergrund verdient Guy Joostens Produktion für die Düsseldorfer...